Finnland 2017 - Kleinert-foto

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Finnland 2017

Reiseberichte
Finnland 2017

07.07.2017 Anreise nach Travemünde

Heute soll es losgehen! Alles Neu, zumindest das Auto ist jetzt ein Toyota LandCruiser (J15/Prado). Das bringt natürlich eine neue Packstrategie mit sich, obwohl man das eigentlich nicht Strategie nennen kann. Letztendlich stopfen wir alles, was wir für wichtig erachten, in irgendeine Lücke rein. Den Zeltanhänger können wir leider nicht mehr sauber packen (d.h.öffnen), weil heute eine Gewittergefahr besteht und wir kein nasses Zelt einpacken wollen.
Zumindest starten wir schon kurz nach 14:00 mit dem Packen, da Silke nur einen halben Tag arbeitet und ich auch nur bis Mittag von zu Hause aus arbeite. Grund dafür ist auch der G20 Gipfel in Hamburg. Um 17:30 kommen die Kinder wieder und sind schon sehr aufgeregt. Wir essen aber noch in Ruhe Abendbrot und räumen die letzten Sachen ins Auto, bevor wir letztendlich mal wieder mit viel zu viel Gepäck um 22:00 aufbrechen. Wir fahren um das „brennende“ Hamburg herum und kommen um 23:25 in Travemünde an. Am Check In erfahren wir dann, dass es einen Computerfehler gibt und alles per Hand eingecheckt werden muss. Wir stellen uns in eine Reihe mit 2 weiteren Fahrzeugen mit Anhänger, während alle anderen Wartenden Wohnmobile oder kleine LKWs sind. Alle kleinen PKWs sind schon auf der Fähre. Wir warten noch ziemlich lange und Sinja ist die ganze Zeit wach. Simon wird erst kurz vor 1:30 wach, als Bewegung in unsere Wartereihen kommt. Die ersten beiden Fahrzeuge dürfen fahren und ich nicht!?! Danach ist die Wohnmobilreihe dran und als die letzte Reihe anfährt, dürfen wir uns doch noch einreihen. An Board beginnt noch der Kampf einen Stromanschluss zu bekommen, da die beiden Batterien im LandCruiser nicht den Kühlschrank über einen so langen Zeitraum betreiben können (Nachbesserungsbedarf!). Als es endlich funktioniert und wir in der Kabine im Bett liegen ist es 2:30 deutsche Zeit (von jetzt an geht es in finnischer Zeit weiter, also +1)


08.07.2017 Seetag irgendwo zwischen Travemünde und Bornholm

Wir wachen um 9:00 auf und stehen auf. Ein wenig gerädert sind wir schon, trotzdem wollen wir als Erstes sehen, ob das Schiff auch tatsächlich abgelegt hat und wir unterwegs sind. Auf dem Hundedeck sehen wir nur auf Wasser. Wir gehen beruhigt zurück in die Kabine und beginnen mit dem Frühstück. Wir haben in diesem Jahr komplett auf das Essenprogramm von Finnlines verzichtet, da wir für Hin- und Rückfahrt mit EUR 328 dabei gewesen wären. Sinja hätte schon den halben Preis zahlen müssen und das ist uns das eher mäßige Essen der Finnlines nicht wert. Dafür haben wir eine kleine Kühlbox und einen Wasserkocher an Bord gebracht. Es gibt Brot mit Wurst und Marmelade, dazu hart gekochte Eier (die sind noch von zu Hause). Beim Wasser kochen, versuchen wir immer den Wasserdampf zu vertreiben, damit nicht der Feuermelder auslöst!
Danach gehen wir ein bisschen auf dem Schiff umher. Es ist ein wenig anders gestaltet, als beim letzten Mal, aber man findet sich gleich zurecht. Viel gibt es aber auch nicht zu entdecken. Die Kinder gehen gleich ins Kinderparadies. Simon ist es eher zu viel, da hier ordentlich getobt wird und so gehen wir um 13:30 in die Kabine und essen Frikadellen und Nudelsalat (von zu Hause mitgebracht).
Anschließend gehen wir an Deck trinken etwas, essen Eis und spielen Karten. Auch das Spielzimmer ist wieder im Programm. Leider muss ja ein Erwachsener aufpassen, sodass wir nicht aufs tolle Sonnendeck können. Abends essen wir noch 5min Terrinen (ja, ist ökotrophologisch sehr bedenklich und schadet den Kindern bestimmt in der Entwicklung), da es halt nur mit einem Wasserkocher zubereitet werden kann.
Wir gehen nochmal über Deck und anschließend geht es in die Koje. Sinja findet schwer in den Schlaf, während Simon schnell weg ist. Es ist ja auch immer hellhörig und wenn dann noch Menschen keine Rücksicht walten lassen, dann ist es immer blöd!

09.07.2017 Fahrt nach Lieksa

Für heute haben wir uns einen Wecker gestellt, was in diesem Urlaub nicht oft vorkommen soll. Schnell frühstücken wir wieder in unserer Kabine und gehen anschließend an Deck. Dort angekommen, stellen wir fest, dass wir soeben bei Sonnenschein angelegt haben! Schnell eilen wir wieder nach unten, um unsere Sachen zu packen. Danach gehen wir vor die Türen zum Autodeck und warten auf die Öffnung der Türen. Als der Startschuss fällt, gehen wir die Treppe nach unten und erreichen unser Auto schnell, da es direkt um die Ecke vom Treppenhaus steht. Das stellt sich allerdings als Nachteil heraus, da hier viele Leute durchgehen und sich ziemlich viele Kratzer von unachtsamen Leuten am Auto befinden, die die Größe ihres Hinterteils immer wieder falsch einschätzen (ach geben sie mir die Hose bitte in 32, wie die passt nicht. Ich benötige 48? Frechheit!). Das E-Kabel ist auch schon ab und so schmeißen wir unsere Klamotten ins Auto und fahren schon ziemlich früh von der Fähre. Wir werden wieder von einem Blinkmobil aus dem Hafengelände geführt. Die ersten Kilometer um Helsinki herum, sind eigentlich nicht sehr schön und für uns fängt Finnland erst weiter oben bei den Seen an. Die Kinder schlafen recht schnell ein, denn auf der Fähre kann man auch nicht wirklich gut schlafen. In Imatra essen wir bei abc einen Hamburger und Pommes draußen in der Sonne, die schon ein wenig brennt.
Eero, bei dem ich im letzten Jahr Fischadler fotografieren konnte, hat mir einen Tipp gegeben, wo es eventuell Bartkäuze zu sehen gibt. Wir suchen einen jungen Fichtenwald, in der Nähe eines Hauses. Bei den drei möglichen Häusern steht aber nie dieser Fichtenwald! So fragen wir einen alten Opa, der vor seiner Hütte sitzt. Leider versteht er uns nicht. Silke möchte noch zwei weitere Männer fragen, ich winke aber sofort ab, da die klare Flüssigkeit garantiert kein Sprudelwasser in ihren Gläsern ist! Silke fragt trotzdem und bekommt von den netten Herren irgendetwas von Mickey Mouse erzählt! Vielleicht wäre es beim dritten Haus gewesen, aber bei Google sieht immer alles anders aus!
Wir entscheiden uns für die Weiterfahrt nach Lieksa, denn dort gibt es vielleicht auch noch eine Sumpfohreule und vor allen Dingen einen Campingplatz!
Um 18:45 kommen wir an und bauen unser Zelt auf. Schnell wird noch Abendbrot gegessen und wir erkunden den Platz, trotz dem ersten Befall von Mücken. Ein deutsches Rentnerehepaar bittet uns noch an den Feuerplatz zu kommen und wir unterhalten uns noch einige Zeit mit ihnen, da sie schon sehr lange unterwegs sind. Von Spanien aus gekommen bis zum Nordkap und irgendwann im Oktober geht es zurück. Ja, Rentner muss man sein! Um 24:00 ist es noch ein wenig hell, als wir ins Zelt krabbeln!
10.07.2017 Lieksa

Heute machen wir uns einen ganz ruhigen Tag! Erst um 9:00 stehen wir auf (immer dran denken, finnische Zeit) und machen uns langsam ans Frühstück. Zumindest sind die Mücken am Morgen nicht ganz so zahlreich vertreten wie am Abend, aber sie sind da! Das stelle ich besonders fest, als ich meinen Toilettengang bestreite. Diese kleinen fiesen Biester haben aber auch nicht einen einzigen Funken von Anstand und suchen sich meinen Hintern mehrfach als Nahrungsgewinnungsgebiet aus. Diese Mückenstiche beschäftigen mich länger als alle anderen, weil sie extrem fies jucken und es auch sehr merkwürdig aussieht, wenn man sich in der Öffentlichkeit am Hintern kratzt.
Wir fragen an der Rezeption einmal nach, ob es hier irgendein Naturschutzgebiet gibt, welches direkt in der Ortschaft ist, aber leider weiß die junge Frau, obwohl sie aus Lieksa kommt, gerade mal so, dass es Fähren gibt, die über den Pielinen See nach Koli fahren. Wann und wie teuer, ist ihr aber auch unbekannt. Die blaue Fähre, die kurze Zeit später an unserem Zeltplatz vorbei kommt, sieht sehr betagt aus. Wir fahren um den kleinen Flussarm mit dem Auto herum und direkt zum Hafen. Dort sehen wir auch die rote Schnellfähre. Mit lauten Geknatter legt sie ab und kann erst spät auf Geschwindigkeit gehen. Wir studieren die Preise von der Schnellfähre, die uns für eine Strecke an die EUR 90 kosten soll. Auf dem Weg zum Campingplatz fahren wir noch zu dem Vogelturm der am Ortseingang von Lieksa steht. Hier ist ein kleiner Wanderweg angelegt. Allerdings ist hier außer einer Möwenkolonie nichts zu sehen. Auf dem Campingplatz angekommen, gehen wir an den Strand, wo die Kinder gleich am Planschen sind. Allerdings sind Silke und mir die Temperaturen des Wassers noch deutlich zu kalt. Wir essen Abendbrot und ich gehe nochmal zu Fuß zum Vogelturm, da der Campingplatz abends geschlossen wird und ich dann nicht mehr mit dem Auto drauf komme. Nach einer ¾ Stunde bin ich dort und warte eine ganze Zeit aber außer Möwen ist hier nichts zu finden. Also nicht die Sumpfohreule! Ich latsche wieder zurück, während die Kinder immer noch nicht schlafen.
11.07.2017 Lieksa/Fahrt zum Koli Berg

Endlich wachen wir wieder halbwegs normal auf! Um 7:15 krabbeln die ersten aus dem Schlafsack. Wir frühstücken wieder gemütlich und genießen die Sonnenstrahlen, die allerdings auf der anderen Seite des Zeltes wärmen. Auf dem See entdecke ich eine Haubentaucher Familie und versuche diese zu fotografieren. Dafür laufe ich ein wenig am Ufer entlang, in der Hoffnung, dass diese näher kommen. Diesen Gefallen tun sie mir natürlich nicht!
Die Kinder spielen unterdessen am Ufer des Sees und trotz eingehenden Briefings und Beteuerungen von Kindern, landet Simon doch irgendwie im See. Allerdings nicht im klaren Wasser, sondern er rutscht irgendwie in so eine brackige Brühe an der Seite. Also muss er umgezogen werden, denn es muffelt doch ganz schön.
So kommen wir erst um 10:30 los, was sich erst einmal wieder als kleines Problem heraus stellt. Es gibt hier nämlich fast nur Automatentankstellen. Und wie zu erwarten, haben die meisten als Bediener Sprache Suomi, Schwedisch oder selten Englisch zur Auswahl. Wenn man dann Englisch auswählt, heißt das aber nicht, dass die folgenden Eingaben auch in englischer Sprache erfolgen müssen. Oft wird noch locker die Sprache gewechselt und man muss den Vorgang in Finnisch abschließen, quasi blind.
Wir fahren zum Koli Berg auf die andere Seite des Pielinen Sees. Die Route führt uns südlich herum. In der kleinen Ortschaft geht Silke noch etwas einkaufen, damit wir etwas zum Picknick machen dabei haben. Am Parkplatz, den wir noch von unseren beiden Besuchen ohne Kinder kennen, erschrecken wir uns doch sehr, denn es ist so voll hier, dass es schwierig wird, überhaupt einen zu finden. Wir haben Glück, da eine Lücke zu klein für ein Wohnmobil ist, können wir uns da rein quetschen. Zu allem Glück ist es sogar noch ein Schattenplatz! Wir fahren mit der Seilbahn nach oben und auch dort ist ordentlich Betrieb! Man findet dort neben dem Infocenter noch ein Hotel und mehrere Skipisten scheinen hier zu starten, denn Sessellifte gibt es auch, obwohl der Berg nur 361m hoch ist!
Wir laufen den Rollstuhlweg nach oben und fragen uns, wie man hier einen Rollstuhl hoch bekommen soll! Am höchsten Punkt des südlichen Finnlands angekommen, machen wir unser Picknick etwas abseits der ganzen Massen. Da es doch ein wenig steil nach unten geht, machen wir uns zuerst Sorgen ob unsere warnenden Worte diesmal Gehör finden, aber die Kinder sind genügend eingeschüchtert von der Höhe. Plötzlich spricht uns ein Mann auf Deutsch an und fragt, ob er von uns ein Foto mit unserer Kamera machen soll. Während wir noch überlegen wo der Akzent wohl herkommt, erzählt er, dass er mit seiner Freundin auf dem Motorrad aus St. Petersburg kommt und er Deutsch kann, weil er schon mal im Harz war, super nett! Wir gehen noch ein wenig weiter und kehren irgendwann um, da es doch ganz schön zu kraxeln ist, für uns Flachländer!
Wir fahren mit dem Auto anschließend noch zu dem kleinen Hafen, wo die Fähre anlegt, um zu fragen wie teuer die Fahrt ist. Aber für EUR 76 ist uns das doch zu viel Geld, um mit dem alten Seelenverkäufer 1,5h zu fahren. Außerdem würde die Fahrt erst in einer Stunde losgehen. Wir fahren also mit dem Auto wieder südlich um den See herum und wählen dafür zuerst eine tolle Schotterpiste aus.
In Lieksa angekommen, gehen wir nochmals tanken und anschließend einkaufen. Silke entscheidet sich für einen Lidl. Es soll eigentlich Spinat geben, aber hier in Finnland ist nur Spinatsuppe bekannt und so greift Plan B mit Fischstäbchen! Dieser stößt zuerst nicht auf viel Gegenliebe, wird aber schließlich doch angenommen.
Nach dem Essen gehen wir nochmal auf den Minispielplatz, müssen aber nach wenigen Minuten abbrechen, da die Mücken doch eindeutig die Oberhand haben und wir uns lieber zurückziehen. Als wir uns ins Zelt verkriechen, sieht es sehr nach Regen aus!
12:07.2017 Fahrt nach Rauna

Ein Tag aus der Hölle! Irgendwann in der Nacht hat es angefangen zu regnen. Naja, eigentlich zu schütten. Zusätzlich zum Regen kommen von den Tannen die Blüten herabgeregnet, so dass unser Zelt und das Auto wie Streuselkuchen aussehen.
Nach einem kurzen Check vorm Zelt entscheiden wir, drinnen zu Frühstücken. Grund dafür sind die Mücken, die genauso wie wir vor dem Regen Unterschlupf unter unserem Küchentarp gesucht haben und sich nun auch noch zum Frühstück eingeladen haben. Silke schmiert die Brote im Zelt und so kommen wir etwas beengt aber ohne nennenswerte große Anzahlen von neuen Stichen durch.
Anschließend beginnt das große Packen, nachdem der Regen vorrübergehend nachgelassen hat! Da wir es bis jetzt wieder versäumt haben ein System einzuführen, sieht es für Außenstehende sehr wahrscheinlich wie das Schlepper Ballett beim Hamburger Hafengeburtstag aus (mit ein bisschen Gemecker). Aber für uns ist es eher das pure Chaos, da jedes Teil irgendwo reingestopft wird, wo es kein anderer wieder findet! Die kleinen Blüten von den Tannen rieseln überall herum und kleben am Zelt fest. Also nehmen wir diese mit nach Norden.
Zwischendurch kommt noch der Schweizer Hausmeister vorbei, der uns seine Theorie zu den Mücken erzählt: wenig duschen! Ok, könnte klappen, aber wir sind nicht gewillt diese These auszuprobieren. Er hat aber noch einen besseren Tipp parat, nämlich Thermacell. Wird mit Gas betrieben und bekommt kleine Plättchen rein, die Mücken vertreiben. Nach dem Bezahlen fahren wir um 10:30 in eine Art Baumarkt und dort erstehen wir so ein Gerät, nebst Ersatzzubehör für stolze 60 EUR.
Die Fahrt geht nach Ranua und es fängt auch wieder an zu regnen, zum Teil richtig stark. Nicht mal eine kleine trockene Pinkelpause ist drin.
Um kurz nach 17:00 erreichen wir den Campingplatz in Ranua. Sehr nett auf den ersten Blick, dieser kann nicht sehr lange schweifen, da es regnet. Der Platz selber ist mit Schotter ausgestattet und so bekommen wir keinen Hering in den Boden. Nur das Küchentarp bekommen wir leidlich fest. Alles andere muss leider bei dem Wetter so halten. Dummerweise kann sich nun an den Nähten Wasser sammeln. Das Thermacell Gerät wird angeschlossen und scheint nicht alle, aber doch viele Mücken zu beeindrucken, weil sie ein wenig auf Abstand bleiben, obwohl es nur unter unserem Küchentarp trocken ist. Zum Abendbrot gibt es passend zum Wetter Linsensuppe mit Würstchen und Reis (Eigenkreation Silke). Unten am See sehen wir währenddessen etwas vorbei schwimmen: Silke meint Ratte, Sinja denkt an einen Biber, Simon ist für einen Drachen (Seeschlange oder Nessi kennt er noch nicht) und ich glaube einen Fischotter entdeckt zu haben. Irgendwo dazwischen liegt wohl das Gesehene. Bevor das Fernglas zum Einsatz kommt, ist das Tier (Ungeheuer) wieder verschwunden.
Es wird noch abgewaschen und die Heizung bekommt ihren ersten Einsatz im Zelt. Um 21:45 geht es ins Bett, während es draußen schön prasselt.


13.07.2017 Ranua

Der Wetterbericht stimmt zumindest soweit überein, dass es den ersten Teil der Nacht ordentlich regnet. Irgendwann hört es aber auf, denn zumindest als Sinja um 3:30 auf Klo muss, ist es trocken. Zwischen 7:30 und 8:00 wird der Familienverband langsam wach und wir begeben uns zum Frühstück nach draußen. Siegesgewiss, weil wir ja den neuen Thermacell anwenden können! Bis wir aber feststellen, dass das Gerät nicht richtig gezündet hat und somit nicht funktioniert (Anfängerfehler), haben wir ordentlich Mückenstiche kassiert!
Leider stimmt jetzt der Wetterbericht nicht, da eigentlich die Sonne heraus kommen soll und zwar insgesamt für 8h. Stattdessen nieselt es so vor sich hin und manchmal gibt es auch ein paar mehr Tropfen. Trotzdem entscheiden wir uns für den Besuch von dem Ranua Zoo. Wir kaufen die Karten schon am Campingplatz, denn damit könnten wir morgen nochmal hinfahren. Für EUR 51 bekommt man woanders ja auch schon mal eine Jahreskarte.
Am Zooparkplatz ist es noch nicht so voll und an der Kasse zeigen wir unsere Armbänder, die uns den Zutritt erlauben. Schon sind wir drin und werden von einem Eisbären und einer Fotografin erwartet. Wir werden abgelichtet und können die Bilder später erwerben. Welche Überraschung! Wir gehen durch den Nieselregen an den ersten Gehegen vorbei und stellen sehr schnell fest, dass dies vielleicht der beste Zoo in Finnland ist, aber weit von dem entfernt ist, was der Järvzoo oder Nordens Ark in Schweden zu bieten haben! Die Gehege sind zum Teil sehr groß, aber nicht immer schön gestaltet. Dabei hat man hier doch auch die Landschaft. Besonders die Bärengehege sind ein wenig trostlos! Unter einem kleinen Dach machen wir eine kleine Mittagspause mit geschmierten Stullen und essen später noch ein Eis. Kurz vor Ende geht es noch auf den Kinderspielplatz, wo auch noch mal weitere Mücken warten. Am Ausgang können wir dann unser Bild erwerben! Auch wenn ich diesmal tatsächlich nicht angeschnitten bin finden wir 13 EUR für das 15x20 Bild zu teuer und auch der Schlüsselanhänger ist mit nochmal 12 EUR nicht günstig. Also lassen wir alles da, weil wir es von Anfang an nicht haben wollten.
Bei der 6km langen Rückfahrt gehen wir nochmals tanken (diesmal wird der Tank voll, da kein Automat). Am Campingplatz gehen wir ein wenig spazieren, denn es kommt tatsächlich die Sonne heraus und da am Zelt unsere ganzen neuen Freunde warten, lassen wir sie auch mit ihrer Vorfreude allein zurück.
Zum Abendessen gibt es Geschnetzeltes aus der Dose und unser Thermacell wird wieder in Betrieb genommen. Die erste Platte wird auch getauscht. Die Kinder liegen heute deutlich früher im Bett und Simon schläft schon während der Geschichte ein. Danach wird wie immer noch Hausarbeit erledigt! Außerdem gehen wir schlafen, ohne zu wissen wohin wir morgen fahren werden. Wir wissen nur es geht weiter!

14.07.2017 Fahrt nach Kuhmo

Okay, die Überschrift verrät schon unser heutiges Ziel, aber so einfach war es nun doch wieder nicht:
Um 7:00 klingelt der Wecker und rüttelt die Kleinert’s aus den Schlaf! Naja, die Kinder tun sich damit noch etwas schwerer als die Alten, aber um 7:30 gibt es kein Erbarmen mehr! Der morgendliche Toilettengang steht an und wir wollen Frühstücken. Noch scheint die Sonne, aber das soll sich bald ändern. Schnell noch unser Wundergerät angeschmissen und schon geht es los. Anschließend packen wir die Sachen zusammen, während die Kinder spielen. Wir brauchen mal wieder zu lange und sind um kurz nach 10:00 fertig. Wir verlassen den Campingplatz und fahren Richtung Norden. Dann checken wir nochmals die Wetterdaten und entscheiden uns doch für den Süden. Jani hat auch geantwortet, dass ich am Samstag in den Vielfraß Hide kann. Der Weg nach Varanger, wo Jochen mit seiner Familie Urlaub macht, hätte uns mit Pausen noch über 9h gekostet. Ob die Wettervorhersage stimmt, weiß man auch nie genau und so denken wir zuerst, dass wir nach Vaala fahren. Nach ein paar Kilometern fällt uns ein, dass das für einen kurzen Ausflug viel zu weit nach Viiksimo ist. Also kommt Silke auf Martinselkonen nur als Zwischenübernachtung. Wir rufen an und haben Janni in der Leitung. Er sagt aber leider, dass alles ausgebucht sei. Also kommt Silke noch auf einen Campingplatz in Kuhmo, was ja nicht so weit von Viiksimo entfernt ist. Was haben die Menschen früher bloß ohne Smartphones und Internet gemacht. Eine ganz souveräne Entscheidung war das mal wieder! Nix unentschlossen!
Die Kinder verschlafen einen Großteil der Fahrt und wir hören dann mal wieder „Der kleine Drache Kokosnuss“. Langsam können wir auch alle Lieder mitsingen!
Als wir durch Kuhmo kommen sehen wir auf einem Platz ein großes Auto-/Oldtimer Treffen. Die Befürchtung, dass der Campingplatz dadurch sehr voll ist, bewahrheitet sich nicht. Wir erreichen ihn um kurz vor 17:00 und sehen, dass hier ein Eldorado für Angler sein muss. Alle Camper sind mit Angeln ausgestattet. Silke findet es zwar diskriminierend, warum der Angelschein für Frauen und Kinder nur die Hälfte kostet, da ich aber hiervon überhaupt keine Ahnung habe, spare ich mir auch meine Kommentare!
Beim Zeltaufbauen kommen uns viele kleine Gnitzen entgegen. Diese sind ziemlich fies, da sie gleich ein Stück Haut raus beißen. Die sind aber noch nicht die fiesesten, sondern es gibt noch größere und gemeinere: sehen aus wie Fliegen mit gefleckten Flügeln und beißen richtig Haut und Fleisch raus! Deshalb bauen wir diesmal auch unser Mückennetz für den Außenbereich mit auf. So können wir, in Verbindung mit unserem Wundergerät, einigermaßen ruhig unser Abendessen genießen: Tortellini mit Tomatensoße. Ich entdecke in der Nachbarschaft noch ein junges Pärchen in einem Kleinwagen und mit einem Spektiv. In der Hoffnung wertvolle Tipps zu bekommen, spreche ich sie an. Sofort kommt von dem Mann zurück, dass er kein Englisch kann, nur Französisch! Ich hole Silke zu Hilfe, aber ihr Französisch ist auch ziemlich eingerostet. Die Frau, die mittlerweile dazu gekommen ist, spricht nur ein wenig Englisch. Ich glaube mittlerweile, dass die uns verarschen wollen. Aber wir bekommen immerhin heraus, dass sie nach Varanger hoch wollen und von Helsinki kommen.
Die Kinder kommen heute wieder erst spät ins Bett, wir aber auch. Um 23:00 höre ich noch mehrfach eine Waldschnepfe! Übrigens am Abend kommen den ganzen anderen Biestern noch die Mücken zur Hilfe!

15.07.2017 Kuhmo/Viiksimo

Irgendwann in der Nacht fängt der Regen an. Weil wir den Anfang verpasst haben, hört der Regen den ganzen Tag nicht mehr auf! Trotz des Regens sind Mücken und Gnitzen unterwegs. Draußen ist schon alles klitschnass und wir bekommen nasse Füße. Gegen 10:30 fahren wir erst einmal nach Kuhmo rein. Das erste Ziel heißt Petola Center. Die kleine Ausstellung ist schnell durch und auch der Film, der im Kino läuft ist irgendwann vorbei. Die Kinder können sich für ihr Geld ein Stofftier aussuchen und wir gehen wieder raus in den Regen. Wir fahren weiter ins Zentrum, wo wir noch ein paar Sachen einkaufen. Allerdings im kleinsten und schlechtesten Supermarkt der Stadt, statt im größeren, der etwas außerhalb liegt. Vor der Rückfahrt wird noch getankt und dann gibt es passend zum Wetter Hühnersuppe aus der Dose.
Nach dem Essen muss ich aufbrechen nach Viiksimo, wo ich nochmal dem Vielfraß auflauern möchte. Als ich die 48km hinter mich gebracht habe, staune ich nicht schlecht, es ist hier im Gegensatz zu letztem Jahr total voll. Ich gehe ins Haus und sehe niemanden der verantwortlich sein kann und frage nach Kari, denn den hat mir Jani als Ansprechpartner genannt, da er selber ja in Martinselkonen verweilt. Ich treffe Kari draußen beim Futterzubereiten. Er sagt, dass er Platz im Sumpf hätte, in der großen Beobachtungshütte. Dort würde der Vielfraß auch mal kommen. Bei Jani war ich letztes Jahr im Wald und die Absprache dieses Mal scheint auch nicht geklappt zu haben!?!
Vor der Abfahrt treffe ich noch Britta und Rainer, die auch im letzten Jahr hier waren. Wir lachen über den lustigen Zufall, können aber nicht lange quatschen, da es losgeht. Am Sumpf angekommen, steigen wir aus und müssen ein wenig warten, da schon zwei Bären anwesend sind. Ich gehe mit einem finnischen Pärchen in die große Hütte und ärgere mich über das völlig unfotogene Gelände. Rainer meint, er bleibt hier auf keinen Fall, als er sich kurz mit Britta unterstellen muss, weil die Bären vor seiner Hütte lauern. Später begleitet Kari die beiden zu ihrer Hütte, nachdem er vorher mit einem Ski-Doo das Futter (filetierter Lachs, sehr schön auf Fotos anzusehen) ausgelegt hat und dabei das Gelände noch unansehnlicher gemacht hat. Kaum ist er weg, schon sind die Möwen zur Stelle, die sich über alles her machen. Insgesamt kommen drei Bären vorbei, einer selbst ist von den Möwen so genervt, dass er mit einer Schnauze voll Fisch das Weite sucht. Auf einmal hört es sogar auf zu regnen und so etwas wie Sonnenstrahlen fluten die Landschaft. Auch ein adulter Seeadler holt sich zweimal seinen Anteil, während später ein junger nur auf einem Baum sitzt und abwartet. Tatsächlich guckt ein Wolf für wenige Sekunden aus dem Wald, aber leider habe ich auf dieser Seite keine Öffnung zum Fotografieren. Während ich versuche Bären ohne Möwen zu knipsen, kommen Meldungen von Silke, die mit der Olympus nicht zurechtkommt. Ich gebe ihr Einstellungstipps. Schön diese neuen Medien, selbst in der Pampa!
Die beiden Finnen laufen den Bären ständig nach (also in der Hütte) und bringen ziemlich viel Unruhe in die 12 Mann Unterkunft. Um 22:00 werden die beiden aber plötzlich abgeholt und ich habe die riesen Bude für mich alleine, inklusive Trockenklo! Ein Vielfraß bekomme ich nicht mehr zu sehen und auch keinen weiteren Bären. Dafür kommt von Silke noch die Meldung, dass sie ein Pärchen aus Wilhelmshaven kennengelernt hat und wir morgen einen Hecht zu Mittag essen können. Ich lege mich um kurz nach 23:00 ins Bett und wickle mich in Schlafsäcke ein, denn es ist Nebel aufgezogen und es scheint sehr kalt zu werden!

16.07.2017 Kuhmo

In der Nacht war es sehr kalt und ich habe in der großen Hütte trotz drei Jacken und Schlafsack gefroren. Außerdem war ich in der riesigen Hütte der einzige Nahrungslieferant für die ganzen Mücken, die es wohl sonst gewohnt waren, sich ein Opfer auszusuchen. Ich wache zwar mehrfach auf, aber nur durch Möwen. Am Morgen ist aber nichts mehr zu sehen, außer Möwen, die aber auch nichts mehr zu fressen finden. Um 6:30 kommen Rainer und Britta von ihren kleinen Hütte zu mir herüber. Wir quatschen noch ausgiebig, als uns um 7:00 der neue Companion von Kari abholt. Es werden noch zwei Französinnen von einer Hütte rechts von mir abgeholt und dann geht es zurück nach Viiksimo. Dann quatsche ich noch weiter mit Britta und Rainer, denn die beiden wissen sehr viel über Martinselkonen und das ganze Geschäftsgebaren der Bärenhideanbieter. Jetzt weiß ich auch, dass Jani hier gar nicht mehr aktiv ist und der Neue halt der Neue ist. Ich gehe anschließend rein und will noch bezahlen, aber viel reden und Freundlichkeit kennen der neue Companion und seine Frau nicht!
Den Kindern ging es mit Silke in Kuhmo auch nicht anders im Zelt, es war eine sehr kalte Nacht mit Raureif am Morgen. Um 9:00 komme ich am Zelt an, rechtzeitig zum Frühstück. Die Kinder fahren noch Fahrrad, während Silke und ich beratschlagen was wir heute machen. Wir entscheiden uns hier zu bleiben und eine Wanderung in der Gegend zu unternehmen. Vorher gehen wir aber noch bei den Leuten aus Wilhelmshaven vorbei und holen uns den ausgenommenen Hecht ab. Der erste Versuch der Wanderung geht kurz hinter dem Campingplatz vom Weg ab. Der Pfad ist aber sehr zugewachsen, so dass wir erst einmal auf lange Hosen wechseln. Als wir uns durchgeschlagen haben, kommen wir an einem Punkt des Flusses heraus, wo die Stromschnellen einen kleinen See auf unserer Seite gebildet haben. Allerdings wird uns schnell klar, dass hier eine Brücke fehlt, um an die andere Seite zu kommen und den Weg weiter zu benutzen. Jetzt wird uns auch die Bedeutung des Schildes bewusst, dass am Eingang des Pfades steht. Leider nur auf Finnisch, aber es heißt wohl, dass die Brücke weg ist.
Zurück am Campingplatz machen wir uns erst einmal an die Zubereitung des Hechtes zu schaffen. Wir essen ihn mit Kartoffelmus und Gemüse. Er schmeckt eigentlich sehr lecker, nur die Gräten sind schwierig zu entfernen.
Anschließend fragen wir beim Campingplatz nach und essen noch ein Eis. Wir bekommen den Hinweis, dass der neue Weg ein paar hundert Meter weiter hinten startet. Also begeben wir uns zum zweiten Versuch wieder auf den Hauptweg und finden auch den Abzweig ziemlich schnell. Der neue Trampelpfad führt zuerst über ein gerodetes Stück Land und dann in den Wald. Da hier auch eine Jägermeisterflasche steht, sind wir sicher auf dem richtigen Weg. Irgendwann wird es im dichten Wald aber immer schwieriger und wir gelangen an eine sehr sumpfige Fläche, wo wir nicht mehr weiterkommen, ohne mit Sicherheit nasse Füße zu bekommen. Wir drehen erneut um. Am Hauptweg will Silke zu Fuß weiter und ich hole mit den Kindern das Auto, weil wir nun das Ziel von hinten aufrollen wollen. Wir holen Silke ein und fahren zusammen zum Parkplatz am Anfang der ganzen Stromschnellen. Ein Weg führt hier auf einem Steg genau an den Schnellen vorbei, geht aber irgendwann auch nicht mehr weiter. Auch hier fehlt eine Brücke, um auf die andere Seite zu kommen, um dann denn neu geschaffenen Pfad zu erreichen. Wir gehen noch ein Stück in den Wald und enden dort an einer Übernachtungshütte für Wanderer. Aber hier im Wald überfallen uns so viele Mücken, dass wir es leider nicht lange aushalten.
Zurück am Zelt fahren die Kinder wieder mit dem Fahrrad die anderen Leute über den Haufen und es gibt bald Abendbrot. Da alle sehr müde sind, gehen wir noch schnell unter die Dusche und verschwinden früh im Zelt!
17.07.17 Fahrt nach Vaala

Die Nacht war richtig kalt. Zumindest fühlen wir uns so. Am frühen Morgen scheint die Sonne auf unser Zelt und Silke stellt die Heizung aus. Allerdings war der Sonnenschein nur von kurzer Dauer, denn als wir um 7:30 wieder aufwachen, ist keine Sonne mehr da. Ganz im Gegenteil, als ich rausschaue, sieht es nach Regen aus. Der sollte laut Wetterbericht aber erst gegen Mittag kommen. Die ersten Nieseltropfen schaffen es aber schon vor dem Frühstück vom Himmel.
Sogleich nach dem Frühstück fangen wir an zu packen. Es geht zwar schon schneller (die Übung), aber wir sind noch immer zu langsam. Außerdem benötigen wir hinterher eine Dusche, weil wir so ins Schwitzen geraten. Wir sind aber um 10:30 fertig und verlassen den Campingplatz. Wir fahren nach Norden. Im Auto hören wir wieder eine Geschichte von Kokosnuss dem kleinen Drachen und die Reisemaus. Ich hab schon richtige Ohrwürmer von den tollen Liedern und summe irgendeine blöde Melodie mit.
Die Tour ist nicht lang, trotzdem sind die Kinder nochmal eingeschlafen. In Vaala müssen wir beide aufwecken, da wir einkaufen wollen. Danach geht es zum Campingplatz. Dieses Jahr ist es deutlich voller hier. Trotzdem bleiben wir hier, obwohl so einige komische Gestalten hier herum kreuchen. Wir suchen unseren Stellplatz aus und achten darauf, dass der starke Wind, der vom See kommt uns nicht den Rauch von den Feuerstellen ins Zelt bläst. Was wir natürlich nicht beachten, ist die Sauna, die just in dem Moment angefeuert wird, als wir fertig mit Aufbauen sind! So sitzen wir schön im Rauch und freuen uns über unsere zielsichere Platzwahl!
Der Wind hat noch etwas Gutes: es sind kaum Mücken unterwegs, da ihre Flugfähigkeiten wohl bei Wind leidet! Die Kinder spielen am Strand und auf dem Minispielplatz, während uns ein Finne besucht, der mit seinem umgebauten Büchereibus hier campt. Seine Freunde fahren den anderen riesigen Bus, wo der Opa im Wohnwagen noch hinten dran hängt.
Wir essen Spinat, der extra aus Belgien kommt und ganz anders ist als unserer. Aber irgendwie kennen die Finnen Spinat gar nicht. Nach dem Abendessen machen wir eine kleine Elchsafari und fahren zu dem Turm Lentotorni, wo wir im letzten Jahr den Elch entdeckt haben. Heute befindet sich dort aber kein Baumstamm, auf dem zwei Vögel sitzen (Elch, siehe letztes Jahr). Anscheinend sind hier alle Elche in irgendwelchen Kühltruhen der Finnen untergebracht, denn es ist schwer diese zu sehen. Nur ein paar Kraniche sitzen in 500m Entfernung im Moor.
Wir fahren zurück und die Kinder wollen trotz großer Müdigkeit noch weiter spielen. Irgendwann rächt sich das System, denn sie sind lange über ihrer Zeit!
Der Finne kommt noch mit einem Pfannkuchen herüber und ich werde später von der Frau gefragt, ob er geschmeckt hat. Als ich sage, dass ich gar nichts abbekommen habe, bietet sie mir noch mehr an, aber um 23:00 bekomme ich die nicht mehr herunter. Die ersten zaghaften Regentropfen trauen sich aus dem grauen Himmel und der Wind hat aufgehört, als wir ins Zelt krabbeln.

18.07.2017 Vaala/Ausflug nach Hailuoto

In der Nacht hat es immer wieder geregnet, dafür ist es nicht ganz so kalt. Simon hat sehr unruhig geschlafen und so wachen wir etwas gerädert um 7:45 auf. Vorher tropft es mir schon auf die Nase. Erste Befürchtungen, unser Zelt ist undicht, zerstreuen sich schnell, denn der ganze Zelthimmel ist voller Kondenswasser, der nun, wo auch sonst, über meinem Kopf abtropft!
Wir frühstücken gemütlich und entscheiden uns trotz des Windes und des wolkigen Himmels (ab und zu mit Sonne), für einen Ausflug auf die Insel Hailuoto. Die Fahrt ist etwas über eine Stunde plus Fährfahrt, südlich von Oulo. Kurz vorm Hafen sehen wir auf einem Feld eine Kranichfamilie. Ich drehe und stelle mich auf die wenig befahrene Straße um die Vögel mit der kleinen Kamera zu knipsen. Sinja wird wieder wach während Simon weiter schläft. Eine Frau hält mit ihrem Auto an und fragt ob sie uns helfen kann, weil ich den Warnblinker an habe. Wir erklären, dass wir nur fotografieren und uns nicht mehr zu helfen ist!
Um kurz vor 13:00 erreichen wir die Fähre und steigen erst einmal am Parkplatz aus, da es drei Fahrspuren mit unterschiedlichen Zielen gibt. Als wir aus dem Auto aussteigen um nachzufragen, werden wir fast weggeweht. Wir sind zwar originale Norddeutsche, aber so einen Wind mit solchen Böen hätte ich hier im letzten Winkel der Ostsee nicht erwartet!
Wir stellen uns anschließend in die Schlange mit den drei Autos an und warten. Währenddessen knipse ich noch eine junge unbekannte Möwe, die am Rand der Straße nach Nahrung sucht (im Müll). Langsam füllen sich auch die anderen Reihen und auch die Polizei will auf die Insel. Unsere Reihe kommt natürlich als letztes auf die Fähre. Dafür stehen wir aber auf der Wind abgewandten Seite und bekommen nicht immer die Gischt über die Scheibe gespritzt (hat also auch etwas Gutes). Um 13:30 wird abgelegt und die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde. Wir fahren anschließend ganz in den Westen, da wir den Campingplatz inspizieren wollen. Hier ist es auch windig und auf einer steinernen Mole am Hafen stehen ein paar Wohnwagen. Für Zelte gibt es noch einen Platz in den Dünen. Dort steht aber selbstverständlich keines, da alle schon weggeweht worden wären. Wir gehen in ein sehr kleines Cafe, um uns aufzuwärmen. Auch die vier Polizisten sind hier um einen Kaffee zu trinken. Simon hat ein wenig Angst, da ich ihm vorher erzählt habe, dass die Polizei meckernde Kinder ganz schnell einsperrt (fieser Elterntipp, pädagogisch völlig sinnlos, aber er klappt). Als ich ihm erkläre dass Papa mal wieder Quatsch gemacht hat, will er als Entschädigung ein Eis!
Anschließend gehen wir wieder raus und ich sehe einen Regenbrachvogel mehrmals in die Dünen fliegen. Leider unmöglich näher zu kommen. Dann fahren wir nochmal zu einem Turm hin, wo ein paar Entenvögel, Limikolen, ein junger Seeadler und eine Rohrweihe in großer Entfernung zu sehen sind. Wir suchen dann noch die Touristeninformation, da wir gehört haben, dass man kleine Hütten mieten kann. Diese lässt sich leider nicht finden, also nehmen wir die Fähre zurück um 17:30. Am Ortsausgang von Oulo gehen wir an einer großen Raststätte eine Pizza essen. Zu viert bezahlen wir fast 50 EUR für allerdings echt große Pizzas. Allerdings sind die Kreationen wie beim Eis hier sehr Schräg. An Lakritz mit Zitrone Eis muss man sich gewöhnen, genauso, dass eine Pizza Salami mit Thunfisch und Salami ist. Simon haut sie trotzdem weg und hat hinterher tierisch Durst.
Wir tanken vor der Weiterfahrt noch auf und fahren der Sonne entgegen. Um 20:40 sind wir auf dem Campingplatz und versuchen den Tag schnell ausklingen zu lassen. Heute scheint es wieder kälter zu werden und ich stelle den Ofen an. Morgens und abends sind kaum Mücken vorhanden, trotzdem der Wind nicht mehr so kräftig ist!

19.07.2017 Fahrt nach Hailuoto

Die Nacht war nicht sonderlich kalt, aber Simon hat wieder unruhig geschlafen. Wir stehen um kurz vor 8:00 auf. Während wir Frühstücken entscheiden wir endgültig, das wir nach Hailuoto, der großen Insel vor Oulu fahren. Wir packen mal wieder alles zusammen und überlegen, ob wir ohne Hänger auf die Insel fahren wollen. Wir entscheiden uns dagegen, denn das würde bedeuten, dass wir viele Sachen aus dem Hänger umladen müssten. Um 11:30 verlassen wir den Campingplatz, nachdem wir uns von den Finnen verabschiedet haben.
Es geht die gleiche Route wie gestern und wir machen einen kurzen Stopp zum Einkaufen in Muhos. Jetzt wird die Zeit langsam knapp, wenn wir die Fähre um 13:30 bekommen wollen. Wir müssen noch ein paar Baustellen passieren und einige langsame Fahrzeuge behindern uns auch noch. Ich bringe mein ganzes fahrerisches Können auf (Walter Röhrl wäre neidisch geworden) und wir erreichen um 13:29 den Hafen. Die letzte Fahrzeugschlange fährt gerade auf die Fähre und ich werde langsamer, während hinter mir ein Finne, der auch noch mit möchte, nervös herum hupt. Die Einweiser auf der Fähre winken aber mir ab, weil wir mit dem Hänger nicht mehr drauf passen, während der Finne hinter mir noch drauf darf. Die Welt ist ungerecht!
Also warten wir eine Stunde auf die nächste Fähre und vertreiben unsere Zeit mit knipsen. Leider ist die Möwe von gestern heute nicht da. Kurz bevor die Fähre zurückkommt, wacht Simon wieder auf, der die Dramatik zuvor gar nicht mitbekommen hat.  Als es los geht, essen wir ein paar Schnitten und freuen uns dass wir diesmal die erste Reihe sind, die von der Fähre fahren darf, nach dem wir beim Rauffahren wieder die letzte Reihe waren.
Wir fahren schnurstracks zum Ort Marjaniemi. Wir fragen im Hotel nach, da ja hier die verschollene Touri-Info ist. Diese besteht übrigens aus einem kleinen Sideboard mit ein paar Flyern und einem kleinen Laptop, wo man selbst recherchieren kann. Wir gehen zum Campingplatz und fragen dort den Mann hinter dem Tresen. Das ist ein richtiges Allround Talent, denn er betreibt nicht nur den Campingplatz und die Frittenbude, sondern vermietet auch noch ein paar Mökkies! Er hat etwas für uns für 2 Nächte mit Gemeinschafts-Dusche und Klo für 160 EUR und gibt uns nach dem kassieren den Schlüssel. Wir gehen zu der Hütte hin, die gut 5min Fußmarsch vom Hafen hintern Hotel liegt. Wir finden die Hütte und staunen nicht schlecht. Ein Stockbett und eine Couch, ein Kühlschrank und eine Mikrowelle runden das tolle Ambiente ab. Allerding fehlen uns ein paar Schlafmöglichkeiten. Also wandern wir leicht erregt, mit pochender Halsschlagader zurück. Der Mann denkt schon, wir sind zu blöd die Hütte zu finden, als wir ihm klar machen, dass wir nicht in Schichten schlafen werden. Er quält nochmals seinen Computer und sagt er hätte noch etwas anders, was er uns zeigen kann und das wäre etwas billiger.
Er fährt mit dem Auto hin, während wir wieder laufen. Die Kinder kommen schon ins Schwitzen. Silke ist vorgelaufen, während ich mit den Kindern etwas langsamer folge. Als ich das Haus sehe, denke ich von außen zuerst einmal, dass diese Kaschemme günstiger ist, ist auch kein Wunder! Silke zeigt mir aber drinnen die Wohnung und sie ist deutlich mehr, als ich erwartet habe. Neu renoviert mit einem alten Ofen, großem Bett, Tisch + 4 Stühle und eine Hochebene mit zwei Betten. Okay, auch wieder Gemeinschaftsklo und Dusche und Küche, aber für 140 EUR, mehr als ich erwartet habe.
Wir holen das Auto und laden die wichtigen Sachen aus. Heute ist der Wind nicht so stark wie gestern, aber das Zelt hätten wir bei der Kälte nicht aufbauen wollen. Dafür sind aber wieder keine Mücken unterwegs.
Wir wollen anschließend noch einen anderen Turm sehen und fahren, der spärlichen Beschreibung eines Heftes nach. Die Übersetzung scheint nicht so gelingen, aber da unser Finnisch nicht ausreicht, landen wir auf immer kleineren Wegen, die völlig zugewachsen sind. An einem Weidezaun ist Ende und auch ein Auto mit 2 finnischen Frauen (die hätten es finden können, zumindest mangelt es nicht an der Sprache) steckt hier in der Sackgasse. Wir drehen um. Wir fahren wieder zum Turm Kirkkosalmi und sehen 2 Rohrweihen, einige Flussseeschwalben und Entenvögel. An einem kleinen Bohlenweg liegt noch eine Kreuzotter die schnell verschwindet. Als wir die Brücke passieren, sehen wir noch ein Sumpfhuhn und ein Nutria.
Zurück am Haus kocht Silke eine Dosensuppe, während eine finnische Gruppe die Küche belegt. Wir essen im Zimmer und die Kinder sind sehr müde. Wir probieren noch die Duschen aus, die im Saunagebäude liegen und verschwinden auch um 23:15 ins Bett.

20.07.2017 Hailuoto

Heute haben wir bis 8:00 geschlafen. Auf den alten Holzdielen des alten Hauses, hört man jedes Geräusch und so ist das ganze Haus bald in Bewegung. Wir frühstücken in unserem Zimmer in Ruhe und brechen später auf, um weitere Vogeltürme zu entdecken. Zuerst gehen wir aber erstmal an den Strand zum Leuchtturm. Da hier nichts weiter zu sehen ist, geht es danach vorbei mit dem Auto zuerst an dem Turm Kirkkosalmi nach Süden, den wir schon gut kennen. Der erste neue Turm ist nicht zu finden, der zweite lag an der Straße, war aber vom Pfad so zu gewuchert, dass wir uns die Wanderung erspart haben. Aber wenn man der Straße (mit tiefen Schlaglöchern und groben Schotter) immer folgt, dann kommt man am Ende zu einem kleinen Parkplatz. Hier scheint der Trampelpfad zuerst in Ordnung zu sein, bis zu einer Hütte, wo man wieder Rasten kann. Allerdings haben wir auch hier das Gefühl, dass hier nicht oft Betrieb ist. Wir gehen weiter, immer wieder von Mücken attackiert, die hier im Wald wieder häufiger sind. Wir entdecken Elchspuren, aber der Weg führt uns nicht mehr sehr weit, da auch dieser plötzlich aufhört. Als wir zurück an der Schutzhütte sind, entdecken wir einen Wegweiser, der hinter der Hütte auf einen völlig zu gewucherten Trampelpfad zeigt, der unpassierbar ist. Also wieder keinen Turm gefunden und wir geben mal wieder auf!
Zur Mittagspause fahren wir zurück zu unserer Wohnung, denn Silke macht Spätzle mit Schinken und Champignon Soße. Danach brechen wir aber sofort wieder auf. Das Ziel: weiter Vogelbeobachtungstürme. Zuerst fahren wir einen Kilometer von unserem Haus entfernt zu einem Ort, wo wir nicht genau wissen, was dort eigentlich ist. Wir finden einen alten Campingplatz im Wald. Aber Wohnmobilfahrer lieben wohl lieber den Beton (kommt kein Sand in die Bude), deshalb wurde dieser geschlossen. Schade - wäre viel schöner, als die Steinmole am Hafen!
Weiter geht’s zu einem Leuchtturm an der Nordseite der Insel. Nach Keskiniemi. Zuerst finden wir die Abfahrt nicht. Warum? Genau es fehlen einfach die Schilder, wie immer. Schließlich sind wir auf der richtigen Schotterpiste und fahren trotz mehreren Abzweigungen immer richtig (glauben wir zumindest). Irgendwann kommt ein kleiner Platz und die Piste hört auf. Es folgt eine tiefsandige, schmale Strecke, die gerade ein schwitzender Mountainbike Fahrer entlang kommt. Er sagt der Weg zum Leuchtturm ist noch schlimmer und geht ca. 2,5km. Okay das schaffen wir mit den Kinder nicht zu Fuß und so kehren wir wieder um. Simon verschläft das ganze Geholper und wacht erst wieder auf, als wir an den uns bekannten Vogelturm Kirkkosalmi anhalten, weil er mal muss. Wir warten auf die Rohrweihe und knipsen derweil Blumen, Insekten und Blässhühner.
Auf dem Weg zum Haus sehen wir kurz vor Marjaniemi drei ältere Personen mit einem Audi neben der Straße stehen, die sich heftig festgefahren haben. Leider sprechen sie kein Englisch und wir ja bekanntlich kein finnisch, aber das Problem sehen wir auch so: die Frau wollte wohl drehen und ist eine kleine Einfahrt rein, die einen hohen Absatz hat. Danach tiefer Sand. Wir schieben aber der Wagen steckt so tief drin, dass sich nichts bewegt. Wir haben kein Abschleppseil und sie keinen Haken, also graben wir mit den Sandschaufeln der Kinder. Als das alles nichts nützt, ruft sie Hilfe per Telefon. Erstaunlich ist nur, wie viele Leute vorbeifahren und nicht helfen.
Als wir endlich beim Haus ankommen, gehen wir nochmals zum Strand, die Kinder nehmen ihre Schaufeln zum eigentlichen Gebrauch wieder und ich knipse ein paar Limikolen. Wir entscheiden anschließend am Imbisswagen am „Campingplatz“ etwas zu essen. Derweil schaue ich mir die Mole einmal an und erkenne wie nah man hier den Seeschwalben kommt. Nach dem Essen mache ich da weiter mit dem Knipsen und bekomme fast einen Mittelscheitel gezogen, als ich einmal über die Steine herüber schaue. Dafür sind einige Flugaufnahmen drin. Da die Sonne wieder hinter den Wolken verschwindet, gehe ich zurück. Die Kinder bekommen noch eine Geschichte und um 23:00 geht es ins Bett!
21.07.2017 Fahrt nach Lentiira

Um 7:00 werde ich wach und stehe auf. Auch unsere Nachbarn sind früh wach und es entsteht schnell eine Unruhe. Aber die Kinder stört das ganze Geknarre des alten Holzes, das Rumpeln und das Stimmengewirr nicht, denn sie schlafen noch bis 8:00 weiter. Ich gehe unterdessen einmal kurz zum Strand und schaue mich nach Vögeln um. Leider entdecke ich die Regenbrachvögel nicht wieder und auch die Seeschwalben sind jetzt im Gegenlicht. Ich kehre zum Frühstück zurück und wir packen anschließend auch unser Auto, nachdem unsere Nachbarn das Haus fluchtartig verlassen haben. Wir geben den Schlüssel wieder am Imbisswagen ab und bleiben noch ein wenig am Strand.
Da wir mangels finnisch Kenntnissen nicht wissen, ob die Fähre um 12:00 fährt, versuchen wir die um 12:30 zu bekommen. Am Hafen stellen wir fest, dass die 12:00 Fähre doch gefahren wäre. So warten wir ein wenig und müssen unsere Notdurft auf dem Parkplatz verrichten, da der Imbiss am Hafen, sowie die Toiletten verschlossen sind.
Wir stehen natürlich wieder in der Reihe, die als letztes auf das Schiff darf, aber das ist uns ja bekannt. Danach fahren wir eine Tour bis Vaala, wo wir wieder tanken und auf Klo müssen. Danach geht es weiter bis Lentiira. Dort schauen wir uns das Lentiira Holiday Village an. Dort sind zwei Männer am Heu machen. Der Jüngere, der Sohn wie wir später feststellen, spricht ein wenig Deutsch und Englisch. Sonst spricht niemand eine der Sprachen. Da wir im Campingbereich ganz alleine sind, beschließen wir hier zu bleiben, obwohl die Toiletten ihre besten Tage schon hinter sich haben. Auch werden sie vielleicht nur einmal die Woche gesäubert. Und so wie die Frau durch die Mökkies geht, kann sie kaum etwas säubern. Während wir unser Abendbrot essen, kommt noch ein Wohnmobil, aber auch diese Leute sind nicht zu sehen. Wir schauen uns noch ein wenig um und machen anschließend noch eine späte Elchsafari. Leider ist diese nicht von Erfolg gekrönt und so kehren wir mit sehr müden Kindern zurück zum Zelt.
22.07.2017 Lentiira

Um 7:30 stehen wir wieder auf. Nach dem Frühstück gehen die Kinder auf den Spielplatz, der mal mit viel Liebe eingerichtet wurde, mit der Zeit aber immer mehr verfällt. Silke fragt nach, ob sie Wäsche waschen kann und bekommt als Antwort, dass sie um 11:00 wieder kommen soll. Gesagt getan und die Wäsche ist auf ihrem Weg wieder sauber zu werden.
Zum Mittag gibt es Spaghetti und ich dusche anschließend noch, bevor ich mich auf den Weg nach Lentiira mache. Dort bin ich mit Sabrina von Taiga Spirit verabredet, um endlich mal einen Vielfraß vor die Kamera zu bekommen. Um 13:30 ist Treffen bei ihr. Sie ist eine Französin und hat vorher bei Wild Brown Bear gearbeitet und ich überlege, ob ich sie von dort noch kenne. Da ich aber Menschen schlecht wieder erkenne und mir keine Namen merken kann, verwerfe ich den Gedanken schnell wieder. Im Haus treffe ich noch die Familie von Josef aus Österreich. Zuerst denke ich, dass es auch Franzosen oder so sind, da mir die Sprache nicht ganz bekannt vorkommt. Aber da ich immer wieder  ein paar Brocken Deutsch heraushöre, spreche ich sie doch an. Hört sich halt etwas anders an.
Sabrina erklärt bei Tee und Schnittchen sehr viel auf Englisch, was zu beachten ist. Zum Beispiel sollen wir Bewegungen vermeiden, uns sehr leise verhalten, nicht unterhalten und das Wichtigste, wie wir die Mücken, die sich zweifelsohne in den Hütten aufhalten werden, zu Leibe rücken sollen. Nicht klatschen, nicht an den Scheiben zerdrücken und auch nicht an den Vorhängen fangen, da die Bewegungen wieder die Bären vertreiben können. Insgesamt fast ein bisschen viel Show und ein wenig kauzig, aber so ist es halt.
Um 14:15 brechen wir auf und die Österreicher suchen verzweifelt ihre Sachen zusammen, die sie immer wieder verlegen. Es geht nach Nordost in Richtung Vartius. Irgendwann biegt sie in Schotterpisten ab und wir stoppen an einer Schranke. Wir erreichen die Hides schließlich um 15:00 und die Österreicher beziehen das große Hide, während ich ein Stückchen weiter in einem kleinen Hide unterkomme. Hier finde ich ein Stockbett, zwei Bürostühle eine kleine Ecke mit Vorhang mit einem Campingklo und der obligatorischen Pinkelflasche. Nach vorne sind Vorhänge für die Objektive und darüber kleine Fenster. Sabrina erklärt alles und verteilt dann das Futter. Lachs und Fleischabfälle. Das Gelände ist Wald mit Birken und teilweise hohem Gras, aber nicht sehr zertreten, was darauf schließen lässt, dass hier nicht so viele Tiere zu finden sind. Wie vereinbart, haben wir die Telefonnummern ausgetauscht und so vereinbare ich mit Josef, dass ich von 2:00 bis 3:00 die Wache übernehme, da in dieser Zeit auch immer etwas kommen soll.
Kaum ist Sabrina weg, kommt 15min später der erste Bär vorbei. Er ist am Anfang sehr scheu, ganz anders als bei Martinselkonen, wo die Bären schon an den Stellen vorher auf Futter warten. Als sich die ersten Möwen einfinden, wird schnell klar, dass der Bär die Möwen auch nicht mag. Immer wieder erschreckt er sich vor den anfliegenden Vögeln und ergreift die Flucht. Insgesamt kommt dieser eine Bär fünf Mal und findet jedes Versteck von Sabrina, wo sie Futter versteckt hat. Je öfter er kommt, desto mutiger wird er. Er kommt immer näher an die Hütten heran und versucht auch die Möwen zu verjagen. Irgendwann um 23:00 wird es mir zu dunkel und ich werde so müde, dass ich mich hinlege.
23.07.2017 Lentiira, Fahrt nach Hanko

Um kurz vor 2:00 am Morgen wache ich auf. Ich blicke aus dem Fenster in den dunklen Wald. Von rechts aus dem hohen Gras sehe ich schemenhaft ein hundeartiges Wesen laufen. Ich versuche es zu erkennen und als es näher kommt, sehe ich auch den buschigen Schwanz. Ein Rotfuchs.
Jetzt bekomme ich eine Nachricht von Josef ob ich noch wach bin. Ich sende ihm eine Mitteilung zurück, dass ich schon wieder wach bin. Der Fuchs traut sich unterdessen nicht sehr nah ran und streift um die Hütte. Um 2:00 kommt wieder von rechts aus dem hohen Gras der Fuchs, so denk ich zumindest zuerst. Als er aber vorsichtig näher kommt, erkenne ich, dass er ein wenig größer ist und keinen buschigen Schwanz hat. Ein junger Wolf! Langsam kommt er näher. Er streicht durchs hohe Gras und ich traue mich kaum mich zu bewegen. In einiger Entfernung frisst er ein paar Fleischreste, die der Bär übrig gelassen hat. Da es noch sehr dunkel ist, werden die Fotos nicht so schön, aber wann hat man mal einen Wolf vor der Linse? Irgendwann sehe ich von rechts wieder den Wolf kommen, obwohl er doch eben noch weiter vorne hinter den Bäumen war. Plötzlich erkenne ich, dass es sich um zwei Wölfe handelt. Sie streifen durch das ganze Gelände vor uns, kommen aber nie so nah, wie der Bär. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und die beiden jungen Wölfe verschwinden im dunklen Wald. Bis 7:00, wo uns Sabrina wieder abholt, schaffe ich es nicht ganz und schlafe nochmal kurz ein. Da die Pinkelflasche voll ist (zuviel Tee in der Nacht), probiere ich auch die Campingtoilette aus. Besser als viele andere Hides! Eine starke Bewölkung lässt jetzt auch nicht viel Licht in den Wald. Um Punkt 7:00 ist Sabrina da und hört sich unsere Geschichten an. Sie kann es nicht glauben, dass der erste Bär so früh da war, kein Vielfraß sich blicken ließ und dafür 2 Wölfe so lange und so nah an den Hides waren! Sie bittet mich noch darum, auf den Campingplatz nichts von den Wölfen zu erzählen, denn auch hier in Finnland ist der Wolf nicht sehr beliebt und wird hart gejagt, auch illegal. So sind im letzten Jahr im Bereich Kuhmo 5 besenderte Wölfe verschwunden. Ich erzähle ihr, dass einer davon in der Rezeption vom Lentiira Holiday Resort steht, ausgestopft. Ich bezahle noch und fahre zurück zum Campingplatz.
Silke und die Kinder sind noch nicht aufgestanden, als ich um kurz vor 8:00 da bin. Wir frühstücken schnell und es fängt währenddessen an zu regnen. Wir bauen das Zelt im Regen ab und bezahlen. Silke kann es nicht fassen, dass sie für die Wäsche EUR 10 bezahlen soll.
Wir fahren Richtung Süden und wissen unser Ziel noch nicht so richtig. Was wir wissen ist, dass wir an die Südküste wollen. Erstens soll dort das Wetter die nächsten Tage besser werden, zweitens sind wir näher an Helsinki dran, wo unsere Fähre abfährt und drittens wollen wir das Zelt nur noch einmal aufbauen. So die Theorie. Zur Auswahl stehen Porvoo östlich von Helsinki mit der etwas kürzeren Strecke und 1,5h früheren Ankunftszeit oder Hanko, was westlich von Helsinki liegt, dafür aber weiter entfernt ist und uns das Navi eine Ankunftszeit um 20:00 prognostiziert! Selbst als wir eine verspätete Mittagspause machen, wissen wir es nicht. Zum Glück haben wir immer noch Zeit, bis sich die Wege in Mikkeli trennen. Silke quält ihr Handy bis ihr Datenvolumen völlig erschöpft ist. Die Entscheidung fällt schließlich doch für Hanko und so reden wir uns ein, dass sich die weitere Fahrt lohnen wird!
Um 20:30 erreichen wir den Campingplatz und dürfen diesen nicht besichtigen, da das Betreten nur für Bewohner erlaubt ist. Da hätten wir schon gewarnt sein sollen! Wir bekommen einen Platz zugewiesen, denn zum ersten Mal in unserem Urlaub ist hier alles parzelliert! Trotz unseres Hinweises, dass sich unser Zelt am besten auf weichen Untergrund aufbauen lässt, bekommen wir einen fiesen Schotterplatz in der teuren Kategorie zugeteilt. Wir stellen schnell fest, dass hier kein Hering halten wird und fahren wieder zur Rezeption, nachdem wir uns die anderen Plätze angesehen haben. Ich sage der netten Dame an der Rezeption, wo ich gerne stehen möchte und sie ändert es um. Als ich das Gebäude wieder verlassen habe, kommt sie plötzlich hinter mir her gelaufen und teilt mir mit, dass der Platz 306, den ich gerne haben wollte, ab morgen reserviert ist. Aber 307 ist noch frei. Da dieser auch geht, stimme ich zu, allerdings ohne zu ahnen was uns am nächsten Tag erwarten wird!
Wir bauen das Zelt auf, essen noch eine Kleinigkeit und inspizieren die Toilettengebäude. Das Alte am Strand geht gar nicht, denn hier riecht es nach Urin, was daran liegen könnte, dass einige Leitungen nicht mehr ganz dicht sind. Ein anderes ist sehr neu und ein weiteres ist auch sehr alt aber okay, auch wenn ich die Dusche hier nicht benutzen würde. Um 23:30 geht es endlich ins Bett!

24.07.2017 Hanko

Heute schlafen wir mal richtig lange! Um 9:00 regt sich erst der erste im Schlafsack. Die Kinder bleiben sogar noch länger liegen. Silke geht nach dem Toilettengang noch in den Shop und will Brötchen kaufen. Diese werden aber auf Bestellung frisch gemacht und so muss sie eine halbe Stunde später wieder kommen! Beste Backwarenshop Qualität! Aber so haben wir zum ersten Mal in diesem Urlaub so etwas ähnliches wie frische Brötchen.
Noch ein Wort zu den Toiletten: es gibt hier 5 oder 6 Gebäude, das Beste und neueste ist Unisex, allerdings gibt  es hier mehrere Rundwege innen. Geht man den einen, dann kommt man zu Waschbecken, aber ohne Seife und kleinen Duschen, aber keine Klos. Geht man durch die andere Tür, dann kommen kleine Waschbecken mit Seife, falls man dies so nenne kann, Klos und große Duschen.
Nach dem Frühstück wollen die Kinder wieder auf die Hüpfburg, denn fürs Kinderherz wird hier das volle Programm geboten. Wir wollen aber bald eine erste Tour nach Hanko machen. Also kommen wir erst um 11:30 los. Wir parken in der Nähe des Zentrums und suchen die Touriinfo auf. Dort ist eine sehr nette Mitarbeiterin, die uns super viel Infos gibt und auch mal zur Abwechslung über ihre Gegend Bescheid weiß! So gehen wir zuerst auf den ehemaligen Wasserturm, um die Aussicht zu genießen. Der Ausflug kostet aber schon mal 6 EUR. Dann gehen wir zum Strand wo die Kinder erst einmal auf den Spielplatz müssen, da sie so lange schon auf keinem mehr waren. Silke besorgt etwas zu Snacken, während ich die Kinder im Auge behalte.
Dann machen wir eine kleine Wanderung durch ein kleines Gebiet, wo auch alte Schützenstellungen liegen. Wir Picknicken und kommen wieder in die Ortschaft zurück, die durch viele alte Häuser besteht, die aber zum Teil leider etwas verfallen oder ungepflegt aussehen.
Wir gehen noch einkaufen und ich gehe zuerst in den falschen Laden, der eher so ein finnischer Budni ist, dann kaufen wir viel ein zum Abendessen und vergessen wieder die Hälfte, wie immer.
Am Campingplatz wartete dann das Grauen auf uns. Neben uns sind drei junge Finnen, die ein großes Zelt aufgebaut haben. Einer sieht aus wie der eine Typ von Waynes World. Sie haben jede Menge Bier dabei und draußen auf einem Tisch einen großen Fernseher und eine Playstation aufgebaut. Warum gehen solche Leute auf den Campingplatz? Silke meint zuerst, ich sehe ein wenig schwarz, aber später muss auch sie einsehen, dass ich Recht haben werde!
Wir gehen zum Strand und baden in der Eissee, äh Ostsee. Leider ist die Sonne verschwunden und der Wind macht die Angelegenheit noch kälter, als sie eigentlich sein müsste! Anschließend duschen wir schön warm und wärmen uns so wieder auf. Beim Abendessen werden wir von den Mücken verschont, dafür aber schon mal schön mit Techno Musik beschallt. Vorsorglich gehen wir an der Rezeption vorbei und fragen mal nach der Nachtruhe. Die eine Dame/Managerin versichert uns, dass die Jungs um 23:00 ruhig sein werden, sie kennt sie schon länger und deren Brüder und deren Brüder…
Mal sehen!

25.07.2017 Hanko Fahrt nach Kopparö

Was für eine Nacht! Die Jungs von nebenan haben tatsächlich die Musik um 23:00 aus gemacht und waren dann lange nicht zu hören. Um 0:30 aber kamen sie zu ihrem Zelt zurück und haben sich lautstark unterhalten. Immer wieder fielen auch englische Kraftausdrücke, zwischen den sonst tiefgründigen finnischen Gesprächen. Rücksichtnahme hat man bei ihnen vergeblich gesucht und irgendwann um 3:30 sind wir eingeschlafen oder haben sie dann aufgegeben? Wir stehen um 8:00 auf und fühlen uns ziemlich gerädert. Auch die Kinder sind nicht wirklich ausgeschlafen. Wir erlauben ihnen aber jetzt, ihre gesamte Erziehung über Bord zu werfen und auf Rücksichtnahme zu schei… und laut ohne Ende zu sein! Wir geben alles und mir tun schon alle anderen Nachbarn Leid, aber die Rache ist unsere. Nach dem Frühstück, dem Abwasch, dem Zähne putzen, dem Sachen verstauen und dem Zelt abbauen, werden die Suffköpfe wach und kommen ans grelle Tageslicht. Es ist immerhin schon 11:00! Wir fahren dann zur Rezeption und erzählen der Managerin wie toll das alles geklappt hat! Sie ist ein wenig eingeschüchtert und versucht uns zu besänftigen, weil hier die Emotionen hoch am Kochen sind! Wir einigen uns schließlich darauf, dass wir statt zwei nur eine Nacht zahlen. Damit können wir leben, obwohl wir immer noch sauer sind, da wir uns jetzt einen anderen Platz suchen müssen. Wir fahren also um 11:30 wieder Richtung Helsinki. Der erste Campingplatz den wir uns anschauen liegt fast an der Strecke. Er ist direkt in der kleinen Stadt Raseborg. Wir gehen eine Runde über den Platz, den noch eine Pleite wollen wir jetzt nicht erleben. Das Zelt muss jetzt für 2 Tage stehen bis wir abfahren. Gefallen tut er uns besser als der in Hanko, allerding ist er auch sehr voll. Da der nächste Campingplatz nur 12km entfernt ist, fahren wir weiter.  Mit einer kleinen Fähre setzten wir über auf die Insel Skärlandet. Kurz darauf erreichen wir den Campingplatz, der sich über mehrere Hügel im Wald erschließt. Zur Begrüßung stehen 3 Weißwedelhirsche im Wald, die ich aber nicht knipsen kann, da ich auf den engen Wegen mit dem Anhänger schlecht wenden kann. Wir schauen uns den Campingplatz an, der durch das Verteilen im Wald sehr unübersichtlich scheint. Überall sind kleine Stellplätze, oft mit Schotter, aber wir beschließen hier zu bleiben, da der nächste Nachbar nicht nebenan steht, Wir suchen einen Platz in der Nähe des Hauptgebäudes und haben so die Dusche, Küche und Toilette in unmittelbarer Nähe. Nachmittags gibt es Pfannenkuchen, dann gehen wir noch ein wenig wandern und abends gibt es Dosensuppe mit Nudeln. Die Mückensituation ist auch hier sehr übersichtlich!
Zusätzlich versuchen wir heute eine neue Schlaftechnik (versetzt gegenläufig, d. h. es liegt immer einer mit den Füßen neben dem Kopf vom nächsten) und hoffen den verlorengegangenen Schlaf so nach zu holen!

26.07.2017 Kopparö

Wir schlafen in unserer neuen Liegeverordnung ausgesprochen gut! Um 7:30 kommen wir langsam in Fahrt und es beginnt wieder der übliche morgen Ablauf! Die Kinder können es kaum erwarten, wieder auf den 50m entfernten Spielplatz zu kommen. Wir überlegen, was wir heute machen und entscheiden nochmals nach Hanko zu fahren. Um 10:30 geht es los und unser erstes Ziel soll heute der Vogelturm sein. Ja, okay wir wollten keine Vogeltürme mehr suchen, die irgendwo völlig eingewachsen im Dickicht stehen und man eh nichts sieht, aber dieser soll wirklich leicht zu finden sein, hat ja die Frau aus dem Tourismus Büro gesagt. Zuerst müssen wir aber wieder mit der kleinen Fähre fahren. Sie ist gerade wieder auf der gegenüberliegenden Seite losgefahren. Als sie ankommt, starte ich schon mal den Motor, denn ich bin ja der erste in der Schlange. Aber als alle Autos runter sind, geht die Schranke wieder nach unten und der Fährkapitän geht von Bord, mit seiner Brotdose und Kaffeemug. Sein Ziel ist das kleine Häuschen am Rand wo er dann tatsächlich für eine Viertelstunde verschwindet und um 11:15 seine dritte Frühstückspause einlegt, obwohl schon mehr als 10 Autos warten. Als wir endlich auf der anderen Seite angekommen sind, finden wir den südlichen Weg nach Hanko schnell und sehen weit entfernt dicke Rauchschwaden emporsteigen. Wir biegen noch einmal ab und überlegen kurz, was wohl auf dem Schild steht. Irgendetwas passiert mit diesem Weg zwischen dem 15.07. und dem 04.08.17. Da wir aber kein Finnisch können, fahren wir einfach weiter, ignorieren das Schild und hoffen, dass das Militär keine Schießübungen abhält, denn hier liegt rechts der Straße ein großes Übungsgelände.
Kurz darauf überholt uns noch ein Feuerwehrwagen, der von Soldaten zur Brandstelle im Wald im Sperrgebiet gelotst wird. Wir sehen noch einen Spähpanzer und finden den Parkplatz zum Vogelturm. Ich stelle das Auto ab und wundere mich über die Rauchschwaden. Schnell öffne ich die Motorhaube und mir kommen weitere Rauchschwaden entgegen. Zu unserer Erleichterung stelle ich aber fest, dass es sich wohl um Fett von der Konservierung handelt, welches nun bei den wärmeren Temperaturen auf heißen Motorteilen verdampft.
Nach dem Schrecken brechen wir auf zum Vogelturm. Dieser ist diesmal wirklich sehr leicht zu finden! Nur 50m den Bohlenweg bis zum Elektrozaun, dort drüber klettern und dann nochmal 200m durch den Wald und über die Wiese zum Turm. Aber wofür war der Zaun gleich noch? Hier sollen gefährliche Hochlandrinder leben, aber das können wir mal wieder nicht lesen! Nur „Beware of cattle“, weißt verständlich auf die Gefahr hin. Na toll, immer diese Haken. Wir gehen trotzdem hin und machen einen kurzen Rundumblick. In einiger Entfernung sitzen ein paar Limikolen, aber da sich die Rinder langsam grasend auf uns zu bewegen, wollen wir unser Glück an diesem Tag nicht überstrapazieren und treten den Rückzug an. Wir knipsen noch ein paar Blumen und fahren dann weiter zu einem kleinen Naturpfad der an einem schönen Küstenabschnitt entlang führt. Für die Kinder gibt es viele Kleinigkeiten zu entdecken und wir machen irgendwann Picknick. Der Rückweg führt uns nochmal nach Hanko rein, wo heute der Bär steppt. Total voll, ein Reitturnier und der Strand zur Partymeile ausgerüstet, finden wir zuerst keinen Parkplatz. Am Strand ist es mir persönlich auch zu voll, aber die Kinder haben ihren Spaß.
Irgendwann reicht es aber und wir kaufen noch auf dem Rückweg in Tamisari ein und essen ein Eis. Dann müssen wir wieder mit der kleinen Fähre auf unsere Insel und stellen am Campingplatz fest, dass wir neue Nachbarn haben, die aber nicht zu sehen sind, da sie in ihrem Wohnmobil Fernseh schauen. Unser direkter Weg zum Klo ist versperrt und wir laufen jetzt so weit, da hätten wir gleich ganz hinten im Wald einen Platz suchen können. Die Kinder spielen noch, es gibt Abendbrot und es wird geduscht, denn das ist mal wieder nötig! Wieder viel zu spät gehen die Kinder um 21:30 ins Bett, während ich noch dem Weißwedelhirsch vergeblich hinterher laufe! Unsere Nachbarn schauen immer noch in die Glotze, als ich um 23:30 den Reisverschluss schließe. Leider sind sie wohl schon etwas schwerhörig, denn man bekommt es leider mit!

27.07.2017 Fahrt nach Helsinki

Wir wachen um kurz nach 7:00 auf und mich ärgert als erstes der längere Weg zum Klohäuschen! Dort geht kein Licht, aber erst als ich beim Zelt bin stelle ich fest, dass es irgendwann heute Nacht auf dem Campingplatz einen Stromausfall gegeben haben muss, denn unser Kühlschrank läuft auch nicht mehr. Und heute ist es am Morgen schon angenehm warm! Größere Sorgen mache ich mir allerdings um unsere Nachbarn im Wohnmobil: ohne Strom kein Fernsehen! Als wir mit dem Frühstück fertig sind, stehen unsere Nachbarn auch auf und sie haben Glück, denn es ist bereits 8:20 und der Campingplatzbetreiber ist gekommen und hat den Strom wieder angestellt. Noch bevor die Kaffeemaschine angestellt wird, läuft der Fernseher. Es scheint in Finnland ein ausgesprochen tolles Programm zu geben!?!
Die Kinder verabschieden sich wieder zum Spielplatz, während ich mit Silke beginne die Sachen einzupacken. Heute muss zusätzlich noch so gepackt werden, dass einige Sachen mit auf die Fähre kommen, da man das Autodeck während der Fahrt ja nicht betreten darf. Irgendwann erreicht uns doch die Hektik und wir entscheiden unterwegs zu essen, da wir bis um 15:00 beim Check-In sein müssen. Und da wir ja noch von unserer Insel wieder herunter müssen und Angst haben, dass der Kapitän der kleinen Fähre heute eine Stunde Mittagspause macht, starten wir ohne Mittagessen.
Als wir bei der Fähre ankommen, fahren gerade Autos runter, so dass wir gleich mit rauf dürfen. Das hat mal ausgesprochen super geklappt! Die Fahrzeit nach Helsinki wird mit knapp 2 Stunden angegeben, plus etwas Stau. Der tritt aber zum Glück nicht wirklich ein, nur ein paar Baustellen und etwas mehr Verkehr als wir die letzten 2 Wochen gewohnt waren.
Wir erreichen den Fährhafen östlich von Helsinki und stellen uns in eine der Warteschlangen. Wie immer ist es die, die am längsten braucht (warum ist das eigentlich immer so?). Ein paar Autos vor uns ist jemand, der zwei Kajaks auf dem PKW Dach transportiert. Da seine Höhe nachgemessen wird, vermuten wir dass er wohl aufs PKW Deck wollte. Nach einigen Diskussionen reiht er sich aber in der Reihe der Wohnmobile ein. Dann wird neben uns der Schalter geschlossen und alle Fahrzeuge müssen zu uns rüber! Irgendwann muss Sinja auf Klo und Silke rennt schnell mit ihr los, als endlich mal wieder Bewegung in unsere Reihe kommt. Ich fange an zu schwitzen, aber die beiden kommen gerade rechtzeitig zurück für den Check in. Wir dürfen uns in die Reihe 11 stellen, ganz alleine. Und wie es auch mal wieder so ist, werden um 15:30 die beiden Wohnmobilreihen neben uns auf die Reise durch das Hafengebiet geschickt, wo wir uns als Schlusslicht hinten einreihen dürfen!
Wir schleppen unsere Taschen und Essenssachen die zwei Stockwerke nach oben und wundern uns über die ganzen Aktivurlauber, die super geländegängige Wohnmobile mit zwei Kajaks und Mountainbikes dabei haben, aber zwei Etagen mit dem Fahrstuhl fahren!?!
An Deck gibt es dann ein Eis zur Belohnung und wir warten lange auf das Ablegen der Finnlines Fähre. Aber auch dieses Jahr scheint es Probleme zu geben, denn wir starten mit 30min Verspätung  erst um 17:30. Danach gehen wir in die Kabine um endlich etwas zu essen. Anschließend versuchen wir die Zeit tot zu schlagen, die Kinder im „Kinderparadies“ beim Fernseh schauen und die Erwachsenen beim Lesen. Ich „freue“ mich schon auf den Tag morgen, der bestimmt super langweilig wird, solange wir auf See sind!

28.07.2017 Ankunft Travemünde/Fahrt nach Hause

Wir schlafen bis um 8:00 und frühstücken dann wie gewohnt in unserer Kabine. Gestern habe ich noch einen Security Mann gesehen, der Gäste mit eigenen Getränken und Essen vom Deck 11 vertrieben hat. Danach gehen wir erst einmal an Deck und lassen uns von dem Wind wegwehen. Es scheint die Sonne, aber auf dem Oberdeck 12 ist es schon sehr windig! Die Kinder zieht es mal wieder ins Kinderparadies und sie sehen gleich im Fernsehen Feuerwehrmann Sam. Wir versuchen die Zeit mit lesen, langsam im Internet surfen oder Reisebericht schreiben, herum zu bekommen.
Um 13:00 gehen wir in die Kabine und essen nochmal die berühmte 5min Terrine, denn etwas anderes ist mit den einfachen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen nicht machbar!
Simon legt sich noch ein wenig hin, denn ihm fehlt am meisten der Schlaf, während Sinja wieder ins Spielzimmer möchte.
Ungeklärte Fragen:
·         Ist eine „Kotzone“ finnisch für Pizza Calzone?
·         Warum sind viele Wohnmobilfahrer immer im Fahrzeug und nie draußen zu sehen?
Fazit:
Der Toyota LandCruiser ist ein prima bequemes Reisefahrzeug. Man kann bei angenehmen Temperaturen reisen und auch bei Regen bekommt man freie Sicht und keine nassen Füße.
Brauchen wir ein anderes Wohn-/Fahrzeugkonzept? Für die schlechten Tage mit viel Regen und Kälte im Norden wäre es schon angebracht! Außerdem ist bei unseren häufigen Standortwechsel ein schnelleres Weiterkommen wichtig. Wir räumen einfach zu viel hin- und her. Für uns wird Finnland langsam teuer, wenn am Ende jedes Urlaubes eine Neuanschaffung droht…
Kilometer: 3989,2
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