Finnland 2010 - Kleinert-foto

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Finnland 2010

Reiseberichte

Finnland vom 23.06. bis zum 16.07.2010

1. Tag Mi. 23. Juni
Fahrt nach Travemünde
Heute geht es endlich los! Wir haben schon alles im Großen und Ganzen im voraus gepackt und für den Urlaub beiseite gestellt. Gerade die Campingausstattung ist immer wieder schwierig zu packen. Ich habe mir deshalb für heute schon Urlaub genommen, um in Ruhe den Landy mit allen wichtigen Sachen zu beladen. Silke muss noch Arbeiten, aber ich stehe mit ihr auf, damit ich genügend Zeit habe. Am Abend als sie von der Arbeit kommt bin ich fast fertig. Wir haben uns als späteste Abfahrtzeit 21:00 gesetzt, dann wenn Deutschland gegen Ghana Fussball spielt, in der Hoffnung, dass die Straßen schön leer sind. In den letzten Minuten vor der Abfahrt wird es trotz allem noch einmal hektisch. Das Auto ist mal wieder bis oben mit wichtigen und unwichtigen Klamotten gefüllt, die wir wahrscheinlich den ganzen Urlaub nicht anfassen werden, höchstens um sie beiseite zu räumen.
Um 21:00 geht es tatsächlich los, KM-Stand ist 17.084,8 und wie erhofft sind die Straßen echt leer, während wir das Fussballspiel im Radio hören. Kurz vor der Ankunft in Travemünde um 22:30 steht fest, dass die Nationalmannschaft in die nächste Runde einzieht. Wir werden in eine Reihe verwiesen, wo allerdings nur kleine Fahrzeuge stehen. Trotz Nachfrage ist aber alles so richtig. Als es gegen 23:00 losgeht und wieder ein Führungsfahrzeug (Blinkmobil) Reihe für Reihe in die Fähre begleitet, stellt man dann doch fest, dass wir mit dem Landy doch zu groß sind. Wir werden aussortiert und müssen weiter warten. Erst gegen 24:00 sind wir endlich dran. Auf den engen Spuren auf dem Schiff stellen wir uns zwischen Wohnmobilen und LKW’s. Neben uns stehen Höllander mit ihrem Wohnmobil. Sie nehmen sich viel Platz beim Anschließen ihres Fahrzeuges an das Stromnetz und wir kommen nicht mehr an die Türen des Landys. Als die Frau auch noch meinen Fotorucksack beiseite nehmen will, sage ich freundlich aber bestimmend „NEIN!!!“. Sie zuckt zusammen und gucken mich entrüstet an und fragt mich allen ernstes warum sie meinen Rucksack nicht anfassen darf oder ob dort eine Leiche drin ist. Freundlich erkläre ich ihr, dass dort noch keine Leiche drin ist und ich den Rucksack gerne wegnehme, wenn ich denn drankommen würde. Als ich es dann noch wage zu fragen ob ich noch mal kurz an meine Autotür heran dürfte, sabbelt sie auf holländisch los. Ich verstehe aber, dass sie etwas von „am Arsch lecken“ sagt. Ich erwidere diesen Gruß gerne, nehme den Laptop aus dem Auto und verschwinde. Also liebe Holländer: So wird es nichts mit guter Nachbarschaft!
Gegen kurz vor 1:00 liegen wir in unserer Kabine und ich versuche mich zu beruhigen und zu schlafen, was mir natürlich wieder schnell gelingt.

2. Tag Do. 24. Juni
Fährfahrt nach Helsinki
Um 8:30 klingelt unser Wecker. Dieses Jahr werden wir das Frühstück nicht verschlafen (wie beim letzten Mal), denn unsere Uhren laufen schon nach finnischer Zeit! Wir kaufen die „Essensmarken“ an der Bar und gehen in den Speisesaal. Eine große Auswahl gibt es nicht, aber für EUR 10/Person ausreichend. Anschließend gehen wir ein bisschen spazieren, besuchen den Bordshop und strecken unsere Nasen in den kalten Wind, der auf dem „Sonnendeck“ weht. Wir entscheiden uns für eine geschützte Ecke und holen unsere Bücher und Reiseführer heraus. Wir wundern uns über einige Finnen, die sich schon am Morgen mit Bier einen schönen Tag machen. Je später es wird um so lauter werden sie auch. Dazu kommen immer wieder ein paar ganz Harte, die direkt aus der Sauna, nur mit einem Handtuch bekleidet zum Rauchen aufs Deck kommen. Wir nehmen Reißaus und gehen in eine ruhige Ecke mit bequemen Sitzen. Dort dümpeln wir weiter vor uns hin und warten auf die morgige Ankunft. Am Abend gibt es noch einmal fett Essen vom Buffet! Allerdings ist der Preis recht hoch mit EUR 22/ Person für das, was geboten wird. Das schlimmste sind jedoch einige Menschen selber, die im Essen herumstochern. Gegen 20:00 sind wir wieder in der Kabine und gucken im Fernsehen Fussball: Holland gegen Kamerun und Japan gegen Dänemark. Nach der ersten Halbzeit schalten wir allerdings ab und legen uns schlafen.

3. Tag Fr. 25. Juni
Ankunft in Helsinki - Siikalahti Vogelschutzgebiet - Rantasalmi
Unseren Wecker hätten wir gar nicht stellen brauchen, denn um 6:30 kommt eine Durchsage in der Kabine. Da wir aber nicht zum Frühstück wollen interessiert uns nur die Ankunftszeit. Um 7:30 schauen wir vom Sonnendeck, wie sich die Fähre durch die Schären zum Anlegehafen manövriert. Wir gehen in die Kabine zurück und holen unsere Sachen. Wir laufen die Treppen bis zum Autodeck, da der Fahrstuhl immer voll ist. Am Auto angekommen, stellen wir keine Auffälligkeiten fest, auch unsere Freunde des Käses scheinen sich wieder gefangen zu haben. Es dauert nicht lange und wir können ca. um 8:45 von Deck rollen, der KM-Stand des Landys ist 17.191,5 km. Im Hafengebiet werden wir noch einmal alle gesammelt und zur richtigen Ausfahrt gelotst. Wir stellen uns auf einen Parkplatz, auf dem wir auch schon letztes Jahr standen, um erst einmal zu Frühstücken. Auch unsere holländischen Nachbarn haben dieselbe Idee fahren aber weiter, als sie uns entdecken. Als alle vom Schiff an uns vorbei gefahren sind, geht es auch für uns los. Wir fahren zuerst Richtung St. Petersburg, um dann kurz vor der Grenze nach Norden zu fahren. Wir starten in Helsinki auf der Straße 7/E18 in der Nähe der Küste über Porvoo und Kotka nach Hamina, wo wir auf die 26 abbiegen und dann weiter auf der 6 über Lappenranta und Imatra nach Parikkala. Unser Ziel heißt Siikalahti Wetland Nature Reserve Vogelgebiet in der Nähe bei Parikkala. Vorher kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten in einem Supermarkt am Wegesrand ein. Später wollen wir noch eine Kleinigkeit essen und fahren einen großen Supermarkt an, auch um eventuell ein 2. Kissen für mich zu kaufen (da wir es von zu Hause vergessen haben). Es ist 13:00 und Silke wird nicht mehr hereingelassen, da heute und morgen Mittsommer gefeiert wird!
Am Vogelgebiet angekommen, marschieren wir los. Da es nicht weit ist, verzichten wir auf Wanderstiefel. Die erste Bekanntschaft mit den hiesigen Mücken wird gemacht und Vögel werden gesichtet. Allerdings ist es weniger spektakulär als erwartet, auch wenn bei unserer Rückkehr gerade eine große Gruppe mit Führer vom Parkplatz aus startet. Unser Weg geht weiter auf der Straße 14 nach Savonlinna und dort zum Campingplatz. Obwohl wir im letzten Jahr schon hier waren, machen wir eine Platzbesichtigung. Wir können uns nicht entscheiden und fahren schließlich weiter nach Rantasalmi. Dort auf dem Campingplatz kommen wir erst gegen 18:30 an und es fängt tatsächlich aus den dunklen Wolken wie auf Knopfdruck an zu regnen. Es sind auch wieder viele Russen hier und wir kommen schon wieder ins grübeln, was wir machen sollen. Wir entscheiden uns doch für das Zelt, als es wieder mit dem Regen aufhört. Das Zelt ist schnell aufgebaut und auch der Kocher ist schnell für Nudeln mit Tomatensoße parat. Leider haben wir die Rechnung wieder ohne die Mücken gemacht, die natürlich mitessen wollen. Allerdings sind sie mehr auf unser Blut scharf, statt auf unsere Nudeln. In Windeseile haben wir bestimmt 20 erfolgreiche Mückenangriffe über uns ergehen lassen. Am Ende taucht plötzlich noch ein Kaninchen auf, das wenig scheu ist. Ich gehe noch schnell duschen und um 22:30 krabbeln wir ins Zelt, 1457,49 km von zu Hause entfernt.

4. Tag Sa. 26. Juni
Rantasalmi - Kolovesi NP - Karvio
Um 7:00 stehen wir auf, die Nacht war anstrengend, nicht nur wegen der Wärme im Zelt sondern vielmehr wegen der lauten Musik, die vom Festival im Nachbarort Poresalmi kommt (erfahren wir aber erst heute). Der Himmel ist bewölkt, aber trotzdem frühstücken wir in aller Ruhe. Aufgrund der Wetterlage beschließen wir das Zelt abzubauen. Also kümmere ich mich um die Isomatten und Schlafsäcke, während Silke draußen abbaut. Plötzlich fängt es wieder an zu regnen und wir müssen das Zelt stehen lassen. Also fahren wir die 10km nach Rantasalmi um ins Infocenter zu gehen. Wir tanken noch und stellen fest, dass alle Geschäfte geschlossen haben, wegen Mittsommer. Im Linnansaari Info Center wird uns von 2 sehr netten Finninnen sehr geholfen. Da aber die regelmäßige Fähre noch nicht zum NP fährt und eine Bootstaxifahrt EUR 75 kosten soll, fahren wir zurück zum Campingplatz, um unser Zelt einzupacken. Leider ist es immer noch nicht ganz trocken, aber es muss trotzdem in die Kiste. Wir entscheiden uns zum Kolevesi NP weiterzufahren. Das Wetter wird immer besser als wir in Savonlinna ankommen, wo wir noch eine Kleinigkeit essen. Auf dem Parkplatz beobachte ich einen Finnen, der immer um mein Auto herumschleicht. Ich gehe hin und er spricht mich auf Deutsch an. Leider kann er nur ein paar Brocken und wir unterhalten uns auf Englisch bis der Rest seiner Familie aus dem hier offenen Supermarkt kommt. Es geht für uns weiter auf der Straße 471 über Enonkoski zum Kolovesi NP, denn wir wollen heute eine kleine Wanderung unternehmen. Am Ende einer Schotterpiste stehen tatsächlich ein paar Autos. Wir machen uns bereit für die 3,3km lange Tour mit dem Namen Nahkiaissalo, die uns im Endeffekt viel länger vorkommen, da es über Stock und Stein, Bergauf und Bergab geht. Die Landschaft ist sehr interessant und schön, allerdings fällt es uns schwer Fotos zu machen, da es hier nur so von Mücken wimmelt. Ständig muss man sie abwehren und wild um sich schlagen. Leider vergessen wir – dank der Mücken - je weiter wir laufen immer mehr uns die schöne Landschaft anzuschauen. Wir kommen an einem See vorbei, großen Felsen und vielen interessanten Eindrücken. Leider bleibt von allen der mit den Mücken an erster Stelle. So sind wir froh nach 2h wieder am Auto anzukommen.
Es geht nun auf die Suche nach einem Campingplatz. Die in der Karte eingezeichneten Plätze vor Heinävesi und bei Viitalahti gibt es leider nicht und so fahren wir bis Karvio an der Straße 23 (zwischen Varkaus und Joensuu). Prompt als wir gegen 19:00 an der Rezeption des Campingplatzes stehen, fängt es abermals tierisch an zu schütten, nachdem es heute Nachmittag schon fast zu warm für uns war. Also ist die Entscheidung einfach für eine „kleine“ Hütte gefallen, da diese auch nur EUR 7 teurer ist als Camping. An der Hütte angekommen, ist die Überraschung groß. Eine kleine muffige Hütte 3 x 2m mit nicht so schönen Waschhäuschen erwartet uns. Wir gehen eine leckere Pizza essen, ich trinke ein Karhu Bier und kaufe das schöne Bierglas als Souvenir und anschließend gehe ich duschen. Dann kriechen wir in die Hütte! Um 22:30 geht das Licht aus, 1495,7km von zu Hause entfernt und heute 186km mit dem Landy gefahren.

5. Tag So. 27. Juni
Karvio - Patvinsuo NP - Koli Berg
Heute klingelt der Wecker wieder um 6:30. Ich wache auf und kann mir nun vorstellen, wie sich Leute anfühlen, die wegen einem kranken Schönheitswahn zu einem Schönheitsexperten gehen und sich Botox spritzen lassen, um dann auszusehen wie kurz vorm platzenden Treckerreifen. Meine Ellenbogen, meine Knöchel, meine Handrücken, die Kopfhaut und selbst im Gesicht ist alles geschwollen von den Mückenstichen. Bei Silke sieht es nicht viel besser aus. Wir verzichten heute mal auf Portraitaufnahmen! Nach dem ersten Katzengejammere schmeißen wir unsere Klamotten ins Auto und fahren zum oberen Toilettenhäuschen, da dieses sauberer ist (wenn man das überhaupt so sagen kann). Wir frühstücken dort auch gleich am Landy und kommen gegen 7:20 los. Wir fahren auf der Straße 23 und 17 nach Joensuu, tanken dort nochmals auf, da wir dieses mal die Runde um den Patvinsuo NP an der russischen Grenze fahren wollen. Diese soll laut Reiseführer sehr schön sein. Zuerst geht es auf der Straße 74 nach Ilomantsi geteert weiter, doch nach einigen Kilometern wird die Straße 522 eine Schotterpiste, mit dummen Schlaglöchern. Gegen 11:30 machen wir an einem kleinen Bachlauf halt, den wir beide als ersten schönen Punkt auf dieser Route ausmachen können. Die Mückenpopulation ist auch wieder vor Ort, wenn auch nicht so schlimm wie gestern. Nach einer Pause fahren wir weiter, finden aber den Abzweiger zum Patvinsuo nicht. Also fahren wir fast ganz aussen herum, bis Kitsi, wo endlich eine Beschilderung zu finden ist. Am NP angekommen, halten wir an dem Parkplatz Kurkilahti, von dem wir im letzten Jahr auch schon mal losgewandert sind. Diesmal wollen wir es allerdings bis zum Aussichtturm Teretinniemi schaffen. Es geht immer auf Stegen entlang, damit man nicht im Morast versinkt. Nach 3,4km haben wir den Turm erreicht. Leider ist aber auch von der Sonne keine Spur mehr zu sehen. Nur noch Wolken und viel Wind. Der ist zwar kalt, hat aber den Vorteil, dass keine Mücken da sind! Von oben kann man sehr schön die ganze Fläche überblicken, während Silke eine Wurststulle isst. Nach einer dreiviertel Stunde treten wir den Rückweg an. Langsam kommen die ersten Sonnenstrahlen wieder durch die dichte Wolkendecke. Gegen 17:00 kommen wir wieder beim Auto an. Wir packen unsere Rucksäcke wieder weg und fahren nun in Richtung Koli Berg über Uimaharju und dann auf der 515 zur Straße 6. Ca. 12km vom Koli Berg entfernt soll es einen Campingplatz geben. Gegen 18:30 erreichen wir diesen auch und schauen uns erst einmal um. Sehr schön am See gelegen, leider wieder mit sehr wenig Sanitären Einrichtungen, wie wir später herausfinden, dafür aber mit um so mehr Saunen. Wir bauen nach einigen Überlegungen das kleine Zelt noch einmal auf und Silke kocht auf dem Gaskocher unser Abendbrot. Leider wird dieses durch den starken Wind schnell wieder kalt. Langsam fangen die Mücken wieder an zu nerven. Silke ruft Zuhause an und erfährt, dass die Nationalmannschaft 4:1 gegen England gespielt hat. Wir bauen unseren Mast auf und hängen das Moskitonetz auf. Für den ersten Versuch nicht schlecht aber noch leicht verbesserungswürdig. Sobald wir den Schutz des Netzes verlassen, werden wir von allen Seiten attackiert. So kommen auch heute wieder einige Stiche hinzu. Gegen 23:00 kriechen wir 1574,2km von zu Hause entfernt ins Zelt.

6. Tag Mo. 28. Juni
Koli Berg - Manamansalo (Oulujärvi-See)
Unser Wecker klingelt wieder um 6:30. Es ist wieder windig geworden und dadurch recht frisch. Wir genießen unser Frühstück im Windschatten des Landy’s, den leider auch ein paar Mücken gesucht haben. Wir packen alles zusammen und gehen Zähneputzen, was aufgrund von nur zwei vorhandenen und zudem recht klein geratenen Waschbecken nicht einfach ist. Erst gegen kurz vor 10:00 kommen wir los. Wir versuchen uns an der Schotterpiste zum Koli NP. Nach ein paar Kilometern sind wir uns nicht mehr sicher, ob dies der richtige Weg ist, aber das GPS hilft. Wir sehen einen Hasen der auf der Piste eine Pause macht und wenig später kreuzt noch eine kleine Maus die Fahrbahn. Kurz hinter der Ortschaft Koli gibt es eine Blumenwiese an der wir anhalten und einen kleinen Fotostopp einlegen. Dann geht es weiter bis zum Parkplatz, der schon recht gut gefüllt ist. Wir ziehen wieder unsere Wanderschuhe an und machen uns auf den Weg. Allerdings sind wir dieses Jahr faul und nehmen zuerst die kleine Seilbahn. Der weitere Weg muss nun aber wirklich zu Fuss gemacht werden und es ist für uns sehr anstrengend, da die höchste Erhebung bei uns zu Hause gerade mal 150m misst! Oben führt der Weg auf dem Bergrücken durch den Wald immer wieder an tollen Aussichtspunkten vorbei an denen wir halt machen und Silke wieder ein Schnittchen vertilgt. Wie im letzten Jahr auch machen wir ein paar Fotos, diesmal allerdings mit Sonnenschein und nicht im Regen!

Gegen kurz nach 12:00 sind wir wieder beim Auto und fahren anschließend auf der Straße 6 in Richtung Nurmes. Wir haben uns heute als Ziel gesetzt mal einen anständigen Campingplatz aufzusuchen und wollen deshalb zum Manamansalo Camping Platz im Oulujärvi See der laut Campingführer gut sein soll. Also geht es auf der 6 bis nach Kaajani, wo wir mal wieder tanken. Auch halten wir bei einem Supermarkt an, leider gibt es hier immer noch kein Kissen für mich zu kaufen. Da wir uns schon verfahren haben, weil wir auf der E63 in die falsche Richtung gefahren sind, gebe ich die Daten vom Ziel im GPS ein und siehe da, es klappt! Er führt uns in die richtige Richtung auf der E63 und weiter auf der 22 über Paltamo. Gegen 18:30 kommen wir auf einem Campingplatz mitten im Wald an. Leider stellen wir fest, dass wir hier kein Zelt aufbauen können, da die Plätze entweder asphaltiert sind, unter harzenden Kiefern liegen, voller Wurzeln sind oder schlicht und einfach nicht groß genug sind. Schade, denn hier scheinen die sanitären Einrichtungen mal ganz gut zu sein! Nach langem hin und her entscheiden wir uns für eine Hütte. Als Silke diese betritt, fällt sie fast um, denn drinnen hat jemand einen Heizstrahler auf volle Pulle angelassen. Wir stellen ihn ab (Anzeige zeigt aber immer noch 15 Grad an), aber es passiert nichts. Silke geht zur Rezeption und holt Hilfe. Die nette Finnin ist auch überfordert und geht jemanden fragen. Als sie zurückkommt, hat sich das Problem fast von allein erledigt. Es brauchte einfach recht lange bis es abkühlt. Dafür taucht einen Augenblick später das nächste Problem auf und Silke geht erneut zur Rezeption. Der Herd geht nicht, als Silke unser Essen zubereiten möchte. Auch dieses Problem wird gelöst (schade dass es keine Beschreibung auf Englisch gibt, sondern nur auf Finnisch). Gegen 21:00 gibt es dann endlich Würstcheneintopf, den wir draußen unter unserem Moskitonetz genießen, obwohl es hier scheinbar nicht so viele Mücken gibt. Anschließend gehen wir duschen und fallen todmüde gegen 23:15 und 1565,1km von zu Hause entfernt ins Bett. Und auch unser Landy darf sich nach den heute gefahrenen 300 km morgen ausruhen!

7. Tag Di. 29. Juni
Manamansalo (Oulujärvi-See)
Heute gibt es ein Novum, denn der Wecker klingelt erst um 8:00, denn wir wollten auch einmal ausschlafen! Nach einem gemütlichen Frühstück machen wir uns fertig für eine Wanderung zu einer Landspitze die an unserem großen See liegt. Zuerst ist der Wanderweg noch recht schön und auch die Mücken lassen uns noch in Ruhe. Nur wenn man stehen bleibt, kommen einige wenige an. Die Karte, die wir an der Rezeption erhalten haben, ist wenig hilfreich (man erhält nur einen groben Überblick), die Ausschilderung (meist Farbtupfer an den Bäumen) lässt zu wünschen übrig und im GPS ist auch nicht viel zu erkennen – aber wir kommen voran. Der Trampelpfad geht immer wieder an der Küste des großen Oulujärvi entlang, um dann wieder im Wald zu verschwinden oder um kleine Binnenseen herum, die im Wald versteckt sind. Leider nimmt die Anzahl der Mücken stark zu je weiter wir kommen. Bei einer kleinen Pause an einem Rastplatz direkt am See ist es bedingt durch die Mücken auch nicht wirklich entspannend! Wir gehen trotzdem noch weiter. Allerdings wird der Pfad jetzt immer kleiner und uns kommt es so vor, als ob wir querfeldein laufen. Plötzlich erspähe ich im Augenwinkel eine kleine schwarze Schlange – welche sich als eine Kreuzotter entpuppt und uns wird bewusst, dass wir immer auf den Weg achten sollten. Sie liegt ca. 2m von uns entfernt und bewegt sich nicht. Erst als ich die Kamera zücke, verkriecht sie sich unter einer Wurzel. Wir gehen weiter und beschließen jedoch nach kurzer Zeit, dass es unmöglich ist, wegen der Mücken, bis zur Landspitze zu gehen. Also drehen wir um und gehen den gleichen Weg wieder zurück. Diesmal liegt die Kreuzotter ein Stückchen weiter zwischen Heidelbeersträuchern und Moos und ich kann ein Foto machen. Als ich einen Schritt näher komme, hebt sie leicht den Kopf. Uns wundert ein wenig, dass sie diesmal keine Anstalten macht, zu fliehen. Plötzlich kommen zwei Finnen, ein Vater mit seinem kleinen Sohn, mit dem Fahrrad den Pfad entlang, den wir nur mühselig zu Fuß gehen konnten. Leider verstehen sie uns nicht, sehen aber die Kreuzotter und er macht Zeichen, dass diese beißen kann. Wir gehen weiter und kommen gegen 13:40 nach 9km wieder bei unserer Hütte an.
Den Nachmittag verbringen wir mit Essen, Lesen, Route planen und nebenbei ein wenig Fussball schauen (Paraguay gegen Japan).
Um 19:00 gibt es Abendbrot (Würstcheneintopf aber anders als gestern) und anschließend gehen wir duschen und bereiten uns auf die morgige Abfahrt vor. Um 23:30 geht das Licht aus (zumindest in der Hütte, denn draußen ist es noch hell), während Spanien gegen Portugal führt.

8. Tag Mi. 30. Juni
Manamansalo - Hiddenportti NP - Martinselkonen Wilds Center
Wir wachen um 7:00 durch den Wecker auf. Die Nacht war sehr war und auch draußen hat es sich nicht mehr richtig abgekühlt. Wir haben am frühen Morgen schon fast 20 °C. Zuerst frühstücken wir und beginnen anschließend wieder alles an den richtigen Platz ins Auto zu packen. Trotzdem sieht es aus wie eine Müllhalde oder ein Messiauto. Um 9:00 verlassen wir den Campingplatz. Auf den ersten Kilometern kommen wir an dem anderen Campingplatz vorbei, der viel besser als Alternative gedient hätte. Im Vorbeifahren sehen wir direkt am See schöne Zeltstellplätze auf Rasen. Wie man es auch macht, man entscheidet sich verkehrt. Bevor wir auf die große Straße 22 nach Kajaani fahren, fotografieren wir wenigstens ein Elchschild, wenn wir schon keinen echten Elch zu Gesicht bekommen. Kurz vor Kajaani biegen wir auf die 899 ab in Richtung Sotkamo. Hier finden wir in einem kleinen Dorf einen großen Supermarkt, in dem wir erst einmal einkaufen. Nebenan entdecken wir einen Geschenkeladen, der tatsächlich drei Kissen für mich zur Auswahl hat. Ich würde am liebsten den mit einem Elch nehmen, doch es gibt ein größeres und für mich besser geeignetes Kissen ohne Elchaufdruck. Es geht weiter auf der 76, die wir in Richtung Heikkilänkylä verlassen, denn unser Ziel heißt Hiidenportti. Mittlerweile zeigt unser Billigthermometer eine Außentemperatur von 31 °C und eine Innentemperatur von 52 °C. Nur der Fahrtwind kühlt ein wenig. Die Straßen werden kleiner und die letzten 14km sind Schotterpiste. Wir schlüpfen in unser Wanderoutfit und es geht los! Hier ist die Beschilderung/Markierung recht gut, auch wenn wir sie nicht gleich finden. Zuerst gehen wir durch Wald und Moor. Als wir uns wundern wo die Mücken bleiben und es noch nicht einmal ausgesprochen haben, geht es auch schon wieder los. Wir werden von allen Seiten attackiert. Schnell kommen wir an der Schlucht an, wo ein wenig Wind weht. Das hält ein wenig die Mücken fern, dafür gibt es hier aber größere Fliegen, die zwar nerven, aber wenigstens nicht stechen. Wir wandern ein wenig an der Schlucht entlang und machen ein paar Fotos. Hin und wieder laufen ein paar Leute vorbei. Nach drei Stunden und 5km kommen wir wieder beim Parkplatz an. Wir machen noch ein wenig Pause, bevor wir nach Kuhmo aufbrechen. Wir entscheiden uns für eine noch kleinere Schotterpiste als Abkürzung zur 76. Nach wenigen Metern wird der Weg immer schlechter und sieht so aus, also ob er nur noch von Forstarbeitern benutzt wird. Wir kommen nur langsam voran und erreichen kurz nach 17:00 Kuhmo. Wir fahren zuerst zum Petola Center, leider hat dieser schon geschlossen. Also fahren wir zurück in die Stadt und versuchen unser Glück bei dem netten B&B, wo wir im letzten Jahr schon mal waren. Als wir klingeln öffnet wieder der Mann der kein Englisch spricht. Er ruft jemanden, doch niemand kommt. Wir versuchen zu erklären, dass wir für heute eine Unterkunft suchen. Nachdem einige finnische, englische und deutsche Wortbrocken gefallen sind, holt er einen Zettel, auf dem einige Begriffe in Finnisch, Englisch und in Deutsch stehen. Wir zeigen auf „Doppelzimmer“ und auf „heute“. Er deutet auf „alles belegt“. Beim Rausgehen meint er wir könnten es an der Straße 5 KM Richtung Nurmes versuchen. Wir tun dieses, finden aber kein B&B oder ähnliches. Also geht es zurück nach Kuhmo. An der Tankstelle essen wir etwas, da es bereits nach 18:00 ist. Wir haben uns entschieden den Campingplatz Kalevala anzusteuern, der uns im letzten Jahr zwar schon nicht zusagte. Und auch dieses Mal stellen wir wieder fest, dass wir hier nicht bleiben wollen, da er in einem Jahr nicht besser und auch nicht günstiger geworden ist. Wir versuchen bei unserer Unterkunft der nächsten Tage in Martinselkonen anzurufen, ob für heute schon etwas frei ist. Leider spricht hier auch niemand Englisch und wir bekommen die Handynummer von Jani. Aber auch das funktioniert nicht. Wir rufen nochmal an und versuchen unser Anliegen zu erklären. Diesmal erfahren wir, dass ein Zimmer frei ist, wenn wir uns dann alle richtig verstanden haben!? Also starten wir gegen 19:30 auf der 912 in Richtung Suomussalmi und weiter auf der 843 um die fast 200 km nach Norden zu bewältigen. Die Landschaft ist recht schön, doch haben wir leider keine Zeit zum genießen. Einen Elch können wir trotz vorangegangener Stunde nicht entdecken, dafür fährt Silke die ersten echten Kilometer im Landy am Lenkrad und beschwert sich prompt über die schwergängige Kupplung. Für mich ist die Beifahrerposition genauso komisch und so tauschen wir nach 50km an der Schotterpiste wieder zurück. Gegen 22:00 erreichen wir Martinselkonen und werden tatsächlich erwartet. Elena die Tochter spricht englisch und die Mutter Oili auch ein wenig. Wir bekommen unser Zimmer, müssen morgen wahrscheinlich nur einmal umziehen. Gegen 23:30 liegen wir erschöpft 1718,4km von zu Hause entfernt im Bett und der Landy hat uns heute ganze 416,8km befördert und sich somit Ruhe für die nächsten Tage verdient!

9. Tag Do. 01. Juli
Martinselkonen Wilds Centre
Wir haben die Nacht im bequemen Bett gut verbracht, als uns der Wecker um 7:20 aus dem Schlaf reißt. Um 8:00 gibt es Frühstück. Kurz vorher erreichen die Gäste, die letzte Nacht bei den Bären waren das Haus. Michael erkennt uns auch wieder und wir quatschen ein wenig. Er erzählt, dass es jetzt gerade junge Bären gibt. Wir gehen zum Frühstück, denn er muss einen aufgeregten Gast zum Flughafen nach Kuusamo fahren. Anschließend packen wir noch ein wenig unsere Sachen. Gegen 11:00 fragen wir nach, wann wir das Zimmer wechseln müssen. Wir haben Glück und können im Nebengebäude in unserem Zimmer bleiben. Wir machen eine kleine Wanderung zu einem kleinen Fluss. Hier ist zwar die Markierung vorbildlich, aber der Pfad, zumindest was die sumpfigen Stellen mit den Stegen betrifft, sehr schlechter, denn diese haben ihre beste Zeit bereits hinter sich. An einer Querung über einen Bach knackt das Holz ganz gewaltig, als ich mit meinen zärtlichen 114kg hinüber gehe. Wir ziehen aufgrund der Mückensituation zum ersten Mal unsere lustigen „Imkermützen“ an. Zum Glück sieht uns keiner. Am kleinen Fluss angekommen machen wir eine kurze Pause und essen etwas, was aber mit den komischen Netzen vor dem Gesicht schwer fällt. Übrigens wird man trotz des Netzes natürlich an den Händen und Armen weiter gestochen!
Langsam ziehen dunkle Wolken auf und es fängt auch schon an zu grummeln. Schnellen Schrittes machen wir uns auf den Heimweg. Dort angekommen, holen wir noch einige Sachen aus dem Auto und Sille nutz die Pause um eine Schnitte Brot zu Essen. Leider habe ich Trottelgesicht die Kamera auf die Motorhaube gelegt, worüber diese nicht sehr glücklich ist und sich gleich einmal wieder verabschiedet. Leider ist der Weg nach unten 1,2m tief und dort auch nicht gepolstert. Ich könnte mir in den Hintern beißen, wenn ich so gelenkig wäre. Ich probiere einige Funktionen aus und hoffe, dass noch alles geht. Auf den ersten Blick sieht alles bis auf ein paar Kratzer gut aus.
Wir gehen ins Zimmer und packen unsere Sachen für den Abend zusammen, während es draußen anfängt zu regnen. Schnell wandern die Regensachen in die Tasche. Silke legt sich nochmal aufs Ohr, steckt sich aber Ohropax ins Ohr, weil Michaels Hund draußen solange kläfft bis sein Herrchen kommt. So richtig kann sie aber nicht schlafen, da sie Angst hat, dass ich sie nicht zum Essen wecken würde... Mittlerweile ist es wieder trocken und die Regensachen wieder ausgepackt. Hoffentlich bleibt es so!
Um 15:00 gibt es Essen und um 16:00 brechen wir auf. Kurz vorher fängt es wieder an zu tröpfeln und die Regenjacke ist wieder dabei. Es geht mit den Autos wieder auf kleinen Straßen bis zu einem kleinen Parkplatz. Hier startet die riesige Gruppe. Wir müssen unsere Verpflegung selber tragen. Unser Guide erinnert uns stark an Simon Gosejohan. Er bringt uns durch den von Mücken wimmelnden Wald nach ca. 1,5 km zum Versteck im Sumpf. Mittlerweile stehen hier drei Hütten und eine noch am Waldesrand, die man wenn es dumm läuft mit aufs Bild bekommt. Die Hütte ganz rechts am Wald ist unsere. Sie ist wie im vergangenen Jahr etwas muffig und gewohnt klein und unbequem. Markku kommt vorbei und verteilt das Futter und mittlerweile kommt sogar die Sonne wieder durch. Es dauert nicht lange und der erste Bär ist da. Er nimmt sich ganz genüsslich dem Futter an und legt sich gleich auf den Boden. Es kommt ein weiterer und so geht es die ganze Zeit weiter. Dann erscheint die Mutter mit den vier Jungen. Eines davon ist viel kleiner als die anderen. Auch sie drehen ihre Runden, leider sind sie immer nur auf einem Haufen und nie einzeln zu sehen. Insgesamt sind auf einmal 9 Bären um uns herum und es fällt schwer den Überblick zu erhalten. Dann verschwinden plötzlich alle Bären wieder und es kein einziger mehr da. Wir essen unsere Snacks und warten. Dann kommt wieder der ein oder andere Bär vorbei, um nach Fressen zu suchen. Auch die Mutter mit den Vieren schaut noch einmal längs. Gegen 22:00 erscheint eine noch unbekannte Bärin mit ihren drei kleinen Jungtieren erstmalig, erzählt uns Michael. Die drei sind so aufgeregt, dass sie bei jedem Geräusch aufschrecken und sich hinstellen. Leider ist es schon verhältnismäßig dunkel und die Fotos sind sehr schwer zu machen. Dann wird die Nacht sehr lang. Silke legt sich auf die Pritsche und ich versuche gegen 23:30 auf dem Stuhl etwas Schlaf zu finden.

10. Tag Fr. 02. Juli
Martinselkonen Wilds Centre
Gegen kurz nach 7:00 werden wir wieder abgeholt. Simon fragt wie die Nacht war, leert die Toiletten-Tupperboxen und schraubt die Klappen der Hütte wieder zu. Es geht zurück durch den Wald und die Mücken sind nicht mehr ganz so heftig wie gestern Abend. In der Unterkunft gibt es erst einmal Frühstück und wir legen uns nach einer Dusche ins Bett, da wir fix und fertig sind. Um 13:00 klingelt der Wecker wieder und wir packen langsam unsere Sachen und sichten die Ergebnisse von gestern Abend. Diese sind leider nicht so spektakulär wie erhofft. Mittlerweile sind einige neue Leute angekommen, die auch heute Abend mitkommen. Um 15:00 beginnt es wieder mit dem Essen. Dabei entdecken wir einen alten Bekannten aus dem letzten Jahr. Dieser saß damals im zweiten Hide am See mit seinem Kumpel. Die beiden waren damals dank Kartoffelschnaps sehr laut und auch diesmal kann man ihn kaum überhören. Um 16:00 geht es wieder zu den Autos und dann Richtung Wald. Der Schreihals (Finnen sind in der Regel immer sehr laut, aber dieser besonders) erzählt die ganze Zeit etwas von seinen tollen Abenteuern aus der Vergangenheit. So etwas wie: Er wurde von einer Bärenmutter aufgezogen, hat mit einem Bären gerungen oder schon fünf Felle vorm Kamin. Leider kann das nicht bestätigt werden, da wir kein finnisch können. Jarno, der eigentliche Guide, hat etwas mit der Trümmertruppe zu kämpfen, da hier eine Dame dabei ist, die nur ihr Spektiv trägt (?!?), aber kaum vom Fleck kommt und somit die große Gruppe weit auseinander reißt. Durch das niedrige Tempo kommen die Mücken immer mehr an, obwohl es heute durch die Kälte und den bedeckten Himmel sehr ruhig ist. Als wir am großen Versteck im Wald ankommen, erwartet uns Markku und drei Bären, die schon am Fressen sind. Die Trulla und ihr Mann bleiben wie angewurzelt stehen, bevor sie begreifen, dass sie in die Hütte verschwinden sollen. Für uns ist es etwas schlechter, denn wir müssen noch ein Stückchen weiter. Markku und Jarno begleiten uns zum Hide im Wald und verteilen das Futter. Die Bären warten auch hier schon, weil wir spät dran sind. Durch das bescheidene Licht fällt es hier noch schwerer Fotos zu machen. Leider haben wir nur Bären, die sich auf den Boden werfen und fressen. Es sind einige Raufereien vom Hauptplatz zu hören (hier wird auch mit Fleisch gefüttert). Bei uns bleibt alles ruhig und wir haben das Gefühl, dass weniger los ist als im letzten Jahr. Die Mutter mit den vier Jungen schaut vorbei, wobei das kleinste heute einen sehr schlechten Eindruck macht. Es kommt kaum hinterher und frisst nicht mehr. Wie wir später erfahren, hat es wohl bei den Rangeleien eine abbekommen. Etwas später kommt auch die Mutter mit den zwei Jungen vorbei, die wir gestern nicht gesehen haben. Hier gibt es aber auch Streitereien und die beiden Kleinen klettern auf einen Baum, fast bis in die Krone. Wir können sie nicht mehr sehen, da der Ausschnitt zum gucken nicht groß genug ist. Nach einer Stunde kommt die Mutter vorbei und ruft sie herunter und sie kommen ohne Probleme aus dem Wipfel zurück. Es wird irgendwann ruhiger wir essen unsere Snacks und irgendwann versuchen wir wieder ein wenig zu schlafen.

11. Tag Sa. 03. Juli
Martinselkonen Wilds Centre
Gegen 7:00 holt uns Jarno wieder ab. Er verschließt die Hütte und wir machen uns auf den Weg zur großen Hütte. Dort holen wir die große Gruppe ab und beim Sumpf noch einmal den Rest. Der Rückweg gestaltet sich ähnlich dem Hinweg. Die Trulla kommt nicht vorwärts. Marko ist am Abholplatz auch schon sehr lange am warten und wir kommen auch erst gegen 8:30 an der Unterkunft an. Beim Frühstück erzählt uns Jarno, dass sie von der Kelevala immer ein Finnisches Weihnachtsdorf in Deutschland machen. Dabei ist er immer in Stuttgart, während es diese auch in Dresden und Hannover gibt. Silke fragt noch nach Bären als Holzschnitzerei und bekommt eine ganze Schublade gezeigt, doch der richtige ist nicht dabei.
Wir gehen eine Runde spazieren um eventuell einen See mit einem Prachttaucher zu entdecken, doch das wird schwierig. Nicht nur, dass der See nicht einen Kilometer sondern 2,5km entfernt ist (soviel zu finnischen Entfernungsangaben), sondern er ist auch viel zu groß, um zu suchen. Wir entdecken dafür eine Spechthöhle. Wieder an der Unterkunft angekommen, setzt Silke eine Waschmaschine auf. Dann essen wir eine Schnitte Brot. Wir setzen uns auf die Holzgartenstühle vorm Haus, da die Sonne schön scheint. Es dauert nicht lange und ich zerlege den Stuhl und lande mit dem Hintern im Gras. Es scheint eine Urlaubskrankheit von mir zu sein, denn ich schaffe so etwas vorrangig im Urlaub. Wir melden mein Missgeschick und legen uns noch einmal aufs Ohr. Vorm Essen werden Jarnos und mein Landy verglichen und Michael macht wieder Witze von wegen Toyota Landcruiser und so. Um 15:00 gehen wir zum Essen und unterhalten uns mit zwei Belgiern die sieben Tage am Stück im Hide sitzen. Was für eine Kondition!
Danach gehen wir zurück während sich die anderen auf den Weg machen. Wir wissen nicht, ob wir noch etwas unternehmen wollen und schließlich dümpeln wir ein wenig dahin, bis das Fussballspiel Deutschland gegen Argentinien anfängt. Wir setzen uns in die Sitzecke und genießen das Spiel im Fernseher. Nach der ersten Halbzeit steht es 1:0 für Deutschland. Plötzlich geht die eine Tür auf und der Mann von der finnischen Trulla erscheint. Er guckt mit uns zusammen das Spiel und wir unterhalten uns. Er ist ganz nett und mittlerweile ist das Spiel 4:0 für Deutschland ausgegangen. Wir quatschen noch weiter und es stellt sich heraus, dass er sogar ein bisschen Deutsch kann. Hoffentlich hat er unsere Lästerei nicht mitbekommen!
Irgendwann machen wir uns noch etwas zum Abendbrot und vom Spiel Spanien gegen Paraguay bekommen wir nur noch die erste Hälfte mit. Dann fallen wir todmüde ins Bett.

12. Tag So. 04. Juli
Martinselkonen Wilds Centre
Gegen 7:20 klingelt unser Wecker und wir stehen auf um zum Frühstück zu kommen. Die Gruppe ist mittlerweile auch schon zurück, obwohl die Trulla wieder dabei war. Michael erzählt Neuigkeiten und wir berichten vom Fussball. Nach dem Frühstück wollen wir mal die Vögel am Futterplatz fotografieren. Nach ein paar Minuten ist aber der Spaß vorbei, denn es beginnt zu regnen. Bei der Einpackaktion reiß ich mit meinen zu groß geratenen Füßen noch eine Kamera samt Objektiv um und wir verschwinden nach drinnen. Silke packt sich aufs Bett, während ich am Fenster verweile, da ich die Hoffnung habe, dass es gleich heller wird. Während sich draußen der Parkplatz leert, beginnt es richtig zu schütten und zu Gewittern! Dann geht plötzlich der Feueralarm los. Die finnische Trulla hat wohl so heiß geduscht, dass der ganze Dunst den Feuermelder irritiert hat und dieser auslöste. Nachdem der Lärm vorbei ist und mein Tinitus im Ohr sich wieder beruhigt hat, wird es sogar draußen wieder heller. Ich ziehe nach draußen zu den Vögeln, als die ersten Sonnenstrahlen durchkommen. Es wird drückend warm und die Mücken werden auch richtig aktiv. Silke macht sich auf die Suche nach Blümchen und wandert an der Straße entlang.
Gegen 14:00 begutachten wir die Bilder und machen uns für den heutigen Abend bereit. Um 15:00 geht es zum Essen, wie immer. Gegen 16:00 fährt uns Michael zum Hide am See oder Tümpel, wie er es nennt. Da es heute 30 °C hat, sind wir alle am Schwitzen, auch die beiden Belgier, die die dritte Nacht am See sind, und die linke Hütte beziehen die wir im letzten Jahr hatten. Die kleinen Hides kommen uns vor wie eine Sauna, da sie den ganzen Tag in der Sonne standen und keine Luft durchziehen kann. Selbst Silke ist zum ersten Mal nicht kalt und sie zieht sogar ein T-Shirt aus. Michael kämpft sich barfuss durch den Schlamm und verteilt das Futter. Wir geben ihm einen Schluck Wasser aus unserer Hütte und er sammelt noch verärgert Zigarettenstummel und Apfelreste auf. Er verdächtigt die beiden Belgier, die gestern unsere Hütte hatten und die auch schon aufgefallen sind, weil sie zu laut waren. Wir verabschieden uns von Michael und schließen die Tür. Ich sehe ihn noch durch den Wald verschwinden, als schon der erste Bär auftaucht. Ein junger sehr scheuer Bär. Plötzlich setzt wieder ein Gewitter ein und draußen beginnt es wieder fürchterlich zu gießen. Das wird selbst dem Bären zu viel und er verschwindet. Eine halbe Stunde später als es aufgehört hat zu regnen, kommt er zurück. Als ein zweiter kleiner Bär auftaucht, rennt er davon bleibt dann aber stehen und beruhigt sich wieder. Gegen kurz vor 19:00 verschwinden beide wieder und wir haben Zeit unsere Schnittchen zu essen. Die Pause wird sehr lang, denn erst gegen 20:30 beginnt wieder Betrieb. Es kommen verschiedene Bären, die unsere Hütten umkreisen. Es gibt sogar welche, die ein Bad nehmen. Leider ist der kurze Sonnenschein nach dem Gewitter auch wieder vorbei und es wechseln sich kleine Regenschauer und dunkle Wolken ab. Vor der Hütte der Belgier reibt sich ein Bär zweimal am Baum stehend den Pelz. Für uns dummerweise schlecht zu sehen. Gegen 23:00 nehmen auch die letzten Bären den Weg zurück in den Wald. Irgendwann gegen 23:30 legen wir uns zur Nachtruhe.

13. Tag Mo. 05. Juli
Martinselkonen Wilds Centre
In der Nacht kommen noch vereinzelt Bären vorbei und einer spielt im Wasser sogar mit einem Holzstamm. Gegen 2:00 trollt sich der letzte Bär vorbei. Um kurz vor 7:00 holt uns Marko aus unserer 14 Stunden Sauna ab und wir sind froh aus der kleinen, heißen Hütte herauszukommen. Er zeigt auf die Zigaretten, die Michael gestern gesammelt hat und wir versuchen ihm zu erklären, dass wir das nicht waren, was nicht so einfach ist, da er kein Englisch oder Deutsch spricht. Die Fahrt zurück geht schnell und wir nehmen noch eine Dusche vorm Frühstück, was auch echt Not tut und begutachten unsere Beulen (Mückenstiche), die wir in der letzten Nacht dazu bekommen haben. Im Essenraum ist eine Gruppe Schweizer angekommen, die eine Fotoreise machen. Der Reiseleiter legt auch gleich unauffällig hundertfach seine Broschüren aus. Die Gruppe ist sehr unterschiedlich gemischt und es wird viel erzählt. Wenn man aber kein Schweizer ist, muss man echt aufpassen, dass man die Pointe nicht verschläft! ;-)
In dem Aufenthaltsraum vor unserem Zimmer zeigt der Schweizer Reiseleiter den beiden Belgiern sein Programm auf dem Fernseher. Uns nervt ein wenig die Musik, aber die Schweizer haben ja auch DJ Bobo! Wen wundert’s da noch? Wir sprechen noch einmal mit Jani und er empfiehlt uns einen Hikkingtrail, den wir auch gegen 11:00 starten, da alle Schweizer die Vögelbeobachtungshütte besetzen. Es geht über Stock und Stein, durch den dichten Wald über sumpfiges Gebiet mit Holzbohlen, die fast vermodert sind, wieder zurück in den Wald. Uns begleitet ständig die Finnische Airforce (Mücken, Fliegen und Bremsen), die uns die Sache ziemlich beschleunigen lassen und die ganze Sache unentspannt machen. Das endgültige Ziel sehen wir nur aus der Ferne über eine sumpfige Wiese hinweg und so drehen wir vorher um. Nach gut 8km sind wir um 14:00 wieder zurück.
Um 15:00 gibt es Essen und wir fragen uns, ob die älteren Herrschaften der Schweizer Fotoreisegruppe weiß, dass sie nachher in kleine Tupperboxen pinkeln müssen?
Wir gucken noch mal bei den Vögeln, entscheiden uns aber lieber die Route für morgen zu planen und unsere Taschen zu packen.
Am Abend gibt es Schnittchen à la Silke und wir liegen auch früh im Bett, denn gegen 22:30 geht das Licht aus!?!

14. Tag Di. 06. Juli
Martinselkonen Wilds Center - Oulanka NP
Am Morgen kehrt die Schweizer Gruppe vom Bärenbeobachten zurück. Einige sehen am Frühstückstisch echt geschafft aus. Eine ältere Dame erzählt dem Reiseleiter, dass sie den Fussmarsch nicht geschafft hätte, wenn ihr die anderen nicht geholfen hätten. Der Reiseleiter macht sich vor allen Leuten über sie lustig, dass gefällt selbst mir nicht, der gerne alles in den Dreck zieht.
Gegen 10:00 bezahlen wir und verabschieden uns von allen. Grobe Richtung für heute ist der Oulanka NP. Wir fahren auf der E63 nach Kuusamo, wo wir einkaufen und uns auf dem Parkplatz neben einem Landy mit Segeberger Kennzeichen stellen. Dieser hat einen alten Bundeswehrcontainer auf einem Anhänger hinter sich, der zum Wohnwagen ausgebaut ist. Aber anscheinend wollen die nicht mit uns quatschen, da sie gleich weiter gehen, bevor ich aus dem Auto gekrabbelt komme. Können ja nicht alle so aufgeschlossen und freundlich sein wie wir!!!
Nach dem Einkauf, der wieder etwas länger dauert, fahren wir weiter nach Juuma, nahe des Oulanka NP. Dort begutachten wir die Campingplätze und entscheiden uns für den einen falls wir nichts Besseres finden. Der Weg nach Kiutakongäs, wo das Besucherzentrum vom Oulanka ist, besteht nur aus Schotterpiste. Silke entdeckt im Besucherzentrum einen Holzbären, der aber leider nicht verkäuflich ist. Er befindet sich auch hinter einer Glasscheibe, so dass „ ein Mitnehmen“ auch ausscheidet! Wir machen eine kleine Wanderung zu den nahen Stromschnellen. Wir krabbeln eine wenig an den Felsen herum und essen ein Schnittchen. Dann geht’s den kurzen Weg, der zum großen Teil aus Schotter besteht zurück. Der Campingplatz ein Stückchen weiter sagt uns aber aufgrund der extremen Waldlage und den Trockenklos nicht zu! Also geht es zurück nach Juuma, wo wir zum ersten Mal das große Zelt aufbauen. Nach einer Stunde sind wir fertig, ohne uns in die Haare zu kriegen: Rekord!
Es gibt zur Feier des Tages Gegrilltes und ein Bierchen. Die Sonne scheint immer noch und gegen Abend als es Windstill wird, kommen auch schon wieder die Mücken. Gegen 23:00 liegen wir 1789,6km von zu Hause entfernt und 234,9 gefahrenen KM im Bett.

15. Tag Mi. 07. Juli
Oulanka NP
Gegen 7:30 reißt uns der Wecker aus dem Schlaf. Wir frühstücken unter einem bedeckten Himmel, der leider nicht mehr so schön ist wie gestern. Wir packen unseren Rucksack für die kleine Bärenrunde und bekommen von dem Mann aus Dresden noch ein kleine Karte, die er aus dem Internet hat. Wir laufen den 1,2 km langen Weg bis zum Anfangspunkt der Route an der Straße entlang. Dann geht es über den zweiten Campingplatz. Es geht über Treppen, Hängebrücken und Schotterwegen durch den Wald. Die Mücken sind auch schon recht gut vertreten. Auf der Route begegnen uns immer wieder Leute und wir sind hier nicht mehr allein unterwegs, wie in anderen Parks. Unter uns ist immer wieder ein reißender Fluss zu sehen und dann sehen wir auch kreischende Raftingtouren, die ihre Fahrt kurz vor dem Wasserfall ffafff stoppen müssen. Dort werden die Boote alleine herunter geschickt und unten wieder abgefangen. Leider hat es mittlerweile angefangen zu regnen und wir suchen in einer Schutzhütte Unterschlupf. Hier tummeln sich nicht nur die Mücken sondern auch die Menschen. Nachdem der Regen mal für kurze Zeit gestoppt ist, geht es für uns weiter. Es fängt allerdings immer wieder an und wir haben ja noch ein ganzes Stück vor uns. Außerdem wollen viele Wandernde lieber unter sich bleiben und Rücken nicht zusammen wenn man vorbei kommt. Die Wanderroute wird noch mal anstrengend, als wir über 200 Stufen nach oben müssen. Leider haben wir keine Zeit die Natur zu genießen, da die Mücken mittlerweile echt penetrant nerven. Gegen 17:30 kommen wir wieder auf dem Campingplatz an nach 16 bzw. 16,8km (Silke ist am Anfang der Tour nochmals allein zum Auto zurück).
Kaum am Zelt angekommen, fängt es richtig an zu schütten. Unser essen kochen wir heute mal in der Gemeinschaftsküche, wo komischerweise auch eine Familie die ein voll ausgestattetes Wohnmobil haben, sitzen. An einem weiteren Tisch sitzt eine Holländerin, die mit einem kleinen Minizelt und Rucksack unterwegs ist, mit der wir ins Gespräch kommen. Sie erzählt uns, dass Holland gegen Brasilien gewonnen hat und im Endspiel steht.
Gegen 21:00 kommen auch die Deutschen aus Dresden wieder. Wir reden kurz über die Tour und den Regen. Gegen 22:30 bekomme ich das Laptop zum laufen und wir können Fussball vor dem Landy gucken. Wir laden die Dresdner ein und werden von den anderen komisch angeschaut. Leider geht das Spiel gegen Spanien 1:0 verloren und so gehen wir um 24:00 etwas betrübt ins Zelt.

16. Tag Do. 08. Juli
Oulanka NP - Urho Kekkonen NP – Inari-See
Wir schlafen bis 7:30 nachdem wir gestern erst so spät im Zelt waren. Wir frühstücken vor dem Zelt, das zum Glück fast wieder trocken ist. Leider ist der Himmel immer noch bedeckt. Beim Einpacken sind wir etwas langsamer als die Dresdner (die ja auch zu dritt sind) und kommen erst um 12:00 los. Es geht auf der E63 weiter nach Norden. In Kemijärvi tanken wir, kaufen ein und besorgen eine Speicherkarte in einem kleinen Laden. Auf dem weiteren Weg nach Norden über Sodankylä und weiter auf der E75 fallen uns immer mehr die Parkplätze mit Souvenirshops, die Reisebusse (auch mit deutschem Kennzeichen), und die Anzahl der Wohnmobile auf. Scheinbar bewegen wir uns auf ein Touristenzentrum zu! Die Landschaft unterscheidet sich für uns kaum, was aber für das geschulte Auge ganz anders aussieht (andere Vegetation). Nur die Anzahl der Rentiere die sich auf der Straße bewegen, ist anders als im Süden recht groß. Sehr oft kreuzen sie die Straße oder laufen mehrere hundert Meter auf ihr, so dass wir ganz schön bremsen müssen. Das Besucherzentrum vom Urho Kekkonen in Tankavaara hat leider schon um 17:00 geschlossen. Nebenan befindet sich das Tankavaara Gold Village, eine kitschige Touristenfalle, die einen Campingplatz und Hütten zu bieten hat. Der letzte Reisebus fährt gerade vom Platz als wir kopfschüttelnd vor den verkleideten Gestalten fliehen, die einen in den Goldrausch der 30iger Jahre versetzten sollen. Da es mittlerweile schon 18:30 ist, machen wir Richtung Norden auf die Suche nach einer Unterkunft. Im Ivalo River Camping werden wir nicht glücklich, da es direkt an der Straße liegt und erst in zweiter Linie irgendwie auch am Fluss. Außerdem sind die Sanitären Einrichtungen nicht so schön. Beim großen Campingplatz in Ivalo werden wir schließlich fündig. Für einen kurzen Check erhalten wir von der Zahnlosen und irgendwie schmierig wirkenden Besitzerin die Schlüssel für zwei Hütten – denn es sieht mal wieder stark nach Regen aus. Wir entscheiden uns für eine kleine Hütte für EUR 25. In dieser sind zwei Betten, die noch nicht ganz durchgelegen sind. Wir parken den Landy im hohen Gras unterhalb der Hütte. Mittlerweile wimmelt es wieder von Mücken. Wir holen trotzdem unseren Campingkocher heraus und Silke brät den frisch gekauften Fisch. Beim Essen schmeiße ich vor Hektik und Abwehrbewegungen meinen Teller in den Sand, also gibt es für mich heute nur noch Brot. Silke hat entschieden in der Hütte zu essen. Als ich mich zu ihr geselle, stellen wir ein kleines Hüpfendes Insekt fest, das meiner Meinung nach wie ein Floh aussieht. Fluchtartig verlassen wir den verwahrlosten Platz, auf dem der Müll schon seit Tagen nicht mehr geleert wurde und überall Schrott herumliegt.
Als wir uns damit abgefunden haben irgendwo im Landy im Wald zu übernachten, finden wir ca. 40 km weiter einen Campingplatz der gut aussieht. Dieser liegt am Inarisee. Hier wird sogar deutsch gesprochen. Nach dem vorherigen Erlebnis, haben wir keine Lust mehr auf evtl. versiffte Hütten und entscheiden uns trotz des Wetters unser Zelt aufzubauen, auch wenn die Kräfte langsam nachlassen und wir vom Tag enttäuscht sind. In unserer Nachbarschaft sind Touris aus Zwickau die eine Zeltburg mit Fahnenmast gebaut haben. Der Umstieg von der Kolchose hat anscheinend noch nicht ganz stattgefunden und sie machen noch lange Lärm für alle anderen Gäste. Toll dass wir Deutschen wieder so auffallen müssen!
Gegen 24:00 liegen wir nach 418,4 gefahrenen KM im Zelt und hören sächsischen Dialekt mit blödem Lachen.

17. Tag Fr. 09 Juli
Inari-See - Urho Kekkonen NP - Ruka
Um 7:00 als unser Wecker klingelt, hören wir es auf unsere Zeltplane prasseln. Es hat schon in der Nacht angefangen zu regnen. Wir bleiben in der Hoffnung liegen, dass sich eine kleine Pause ergibt, in der wir aus dem Zelt kommen. Aber diese Pause kommt nicht. Also krabbelt Silke als erste nach draußen, während ich die Isomatten zusammenrolle. Wir packen unsere Sachen so schnell wie möglich zusammen. Dann versuche ich mein Mückenschutzschild (Bart) zu dezimieren, was nur schwer gelingt. Als letztes schmeißen wir das klitschnasse Zelt ins Auto und fahren los, aber nicht ohne im Schritttempo bei unseren Freunden aus Zwickau vorbeizutuckern. Dann fahren wir bis zur Hauptstraße, wo eine kleine Straße auf einen Berg führt, von dem man eine tolle Aussicht haben soll. Der Anstieg ist steil doch der Landy schafft es natürlich ohne Probleme. Oben angekommen, stellen wir fest, dass man für den Ausblick EUR 5 pro Person haben will. Da auch das Wetter nicht mitspielt, verzichten wir darauf. In diesem Moment erreicht ein deutscher Reisebus den Parkplatz und uns wird es auch zu viel. Wir fahren den Berg hinab und dann wieder auf der E75 nach Süden. In Ivalo geht Silke in den Supermarkt und ich kaufe mir einen Kaffee, da ich noch nicht gefrühstückt habe. Wir fahren weiter und kommen auch wieder an dem versifften Campingplatz vorbei. Ausserhalb der Ortschaft liegt ein totgefahrenes Rentier am Straßenrand. Das erste Tote welches wir sehen, eigentlich ein Wunder – bei den Massen die wir hier im Norden sehen und die immer wieder unkontrolliert auf der Straße und von rechts nach links laufen! Wir fahren immer weiter Richtung Süden, dabei kommen uns viele Wohnmobile entgegen, ja und einige überholen uns sogar auch! Uns fällt auf, dass immer dann, wenn mindestens 4 Wohnmobile auf einmal kommen, es Italiener sind. Nun könnte man folgendes vermuten: der kleine Italiener traut sich nicht alleine aus seinem Land in die Ferne, er muss die ganze Familie mitnehmen oder da Italien schon in der Vorrunde ausgeschieden ist, haben alle viel Zeit zum Reisen (das sage ich als nicht Fussballfan). Uns kommen aber auch Deutsche entgegen, sogar auf dem Motorrad und das bei dem Wetter. Das Besucherzentrum Tankavaara hat nun geöffnet und wir schauen uns 1h lang um. Dann geht es um 12:00 weiter und gegen Mittag machen wir Pause in Sodankylä und Silke holt mir einen Burger, Pommes und eine Cola light. Jetzt muss ich mir echt Sorgen machen, dass sie mich loswerden will, da es sonst nur Ökobrot gibt! Wir telefonieren mit Michael und er organisiert 2 weitere Bärennächte für uns, allerdings ohne Unterkunft, da diese voll ist. Er bietet uns an, in seinem Haus zu übernachten. Wir lassen uns die Adresse geben und willigen ein. Es geht auf der E63 weiter nach Kemijärvi, wo wir auftanken und nochmals in den Supermarkt stürmen. Es hat immer noch nicht wirklich aufgehört zu regnen, auch wenn die Sonne Anstalten macht heraus zu kommen. Wir fahren wieder zu dem Informationszentrum im Oulanka NP. Die aufgeweichte Piste ist sehr matschig, lässt sich aber gut mit dem Landy fahren. Und zum ersten Mal überhole ich ein anderes Fahrzeug (den Trecker nicht mitgerechnet). Ein Audi Allroad (warum hat er das Auto?) macht breitwillig Platz. Am Parkplatz ist der Landy bis zum Dach mit Matsch voll gespritzt. Das Zentrum hat leider schon zu. Also geht es zurück und wir fahren nach Ruka, da wir bei dem Regen keine Lust auf Zelten haben. Kurz vor der Ortschaft hat eine Frau ein junges Rentier überfahren und ihr Auto hat keine Scheinwerfer mehr. Wir gönnen uns den Luxus und nehmen uns ein Hotelzimmer für EUR 75 mit Frühstück. Ein tolles Zimmer mit allem drum und dran und Blick auf einen See und eine Schwanenfamilie und eine Entenmama mit ihrem Nachwuchs. Das Abendessen ist auch sehr lecker und wir haben eine tolle Dusche und lausfreie Betten und sind fast allein. Um 23:30 geht es ins Bett 1773,9km von zu Hause entfernt und auch der Landy muss sich nach den heute gefahrenen 450,3km ausruhen.

18. Tag Sa. 10. Juli
Ruka - Juntusranta
Wir sind nach einer erholsamen Nacht um 8:00 aufgestanden und haben unser schon gestern vom Hotel zubereitetes Frühstück auf unserem Zimmer genossen.
Anschließend packen wir unsere Sachen und verstauen wieder alles im Landy.
Um 11:00 schauen wir uns die Sprungschanze von Ruka und den Wintersportort an, der im Sommer ziemlich trostlos und verlassen ausschaut.
Dann machen wir uns auf die Fahrt nach Kuusamo, wo wir zuerst eine Bank suchen, in der ersten können wir allerdings kein Geld mit der Kreditkarte abheben und fragen nach einer weiteren Bank bzw. Automaten, bei der es dann doch tatsächlich geht. Wir wollen noch eine CF-Card kaufen, dieses gestaltet sich allerdings etwas schwierig, denn als wir voller Erwartung in das große Expert Geschäft gehen, stehen wir vor wirklich fast leeren ausgesuchten Regalen, so einen großen Verkaufsraum mit so wenig angebotenen Artikeln haben wir noch nie gesehen. Zumindest gibt es hier auch keine CF-Card. Uns wird allerdings empfohlen in den Ort zu einem Fotogeschäft zu fahren, und tatsächlich erhalten wir dort auch eine 8 GB Card.
Wir fahren noch kurz zum Supermarkt, den wir ja schon kennen, Essen Eis und besuchen das Informationszentrum mit der Ausstellung des Naturfotografen Hanno Hainola.
Wir fahren weiter zum wenige km entfernten Predatorcenter, bei dem wir uns aber entscheiden nicht hineinzugehen.
Also geht unsere Fahrt weiter auf der 843 in Richtung Hossa, vorher sind wir noch auf der Suche nach einem schönen Plätzchen an einem See, was sich allerdings als ziemlich schwierig gestaltet, denn entweder gibt es gar keinen Weg zum See, oder der Weg endet auf einem Hof. Endlich finden wir ein ganz passables Plätzchen, zwar an der Straße (diese ist zum Glück kaum befahren) aber direkt am See, allerdings mit sehr vielen Ameisen, was Silke ziemlich stört. Wir hängen unser Zelt und die Plane zum Trocknen auf und machen uns um 16:00 auf dem Gaskocher Essen, es gibt Pellkartoffeln mit Käsewürstchen, Zwiebel, Tomatengemüse-Soße. Nach 17:00 machen wir uns auf den Weg über Hossa nach Juntusranta, wo wir um kurz vor 19:00 ankommen. Wir finden das von Michael beschriebene Haus, allerdings öffnet uns keiner. Zur Sicherheit fragen wir noch bei den Nachbarn, ob hier Michael aus Österreich wohnt, was zum Glück bejaht wird. Wir fahren erstmal noch zum See in Juntusranta und kehren um 19:30 zurück, diesmal wird uns die Tür von Katja geöffnet und uns stahlt Ihr kleiner Sohn Niklas entgegen. Wir wurden vorher nicht gehört, da Sie mit Ihrer Freundin Tina aus Oulo und Niklas in der Sauna war. Wir berichten von unserem Tag und essen leckere selbst gemachte Erdbeertorte, anschließend geht Niklas ins Bett und wir richten unser Bett her und schauen um 21:30 das Spiel Dtl. - Uruguay um den 3. + 4. Platz der WM, Ergebnis: 3:2 für Deutschland!
Um 23:30 kommt Michael von der Arbeit nach Hause, er hatte heute nur eine 6 Std. Bärentour und ihm ist zum ersten Mal in den 7 Jahren hier ein kleiner Braunbär auf der Straße vors Auto gelaufen, zum Glück konnte er noch rechtzeitig bremsen und beide sind nur mit einem Schrecken davon gekommen. Wir unterhalten uns noch eine Weile, sind dann aber alle müde und gehen um 24:00 ins Bett.

19. Tag So. 11. Juli
Juntusranta / Martinselkonen Wilds Center
Wir stehen erst um 8:00 auf, obwohl wir schon vorher wach sind. Michael und der kleine Grinsemann Niklas machen faxen und Niklas verteilt sein Lego überall. Wir gehen erst einmal unter die Dusche und Katja und Michael machen Frühstück mit Pfannenkuchen. Nachdem wir uns den Bauch voll geschlagen haben, fahren wir um 10:30 nach Hossa um dort im Informationszentrum einige Informationen über die Gegend zu erhalten. Wir entscheiden uns für eine kleine Wandertour mit 3,5 km, die einfach zu gehen sein soll. Das tolle ist allerdings, dass die Anzahl der Mücken sehr gering ist. Ob es am leichtem Wind oder den schon 25 °C liegt, ist uns nicht bekannt. Wir sitzen sogar noch ein wenig am See, ohne nennenswert belästigt zu werden! Um 13:30 essen wir im Infocenter etwas zu Mittag und packen unsere Sachen für den Abend.
Zuerst fahren wir jedoch in Juntusranta bei Michael vorbei um den Rest zu holen. Der ist jedoch schon unterwegs, hat uns jedoch etwas zu Essen dagelassen. Leider haben wir das nicht gewusst, da wir nach unserem Mittagessen nun nichts mehr essen können. Wir klönen noch ein wenig mit Katja und ihrer Freundin, um uns dann auf den Weg nach Martinselkonen zu machen. Um 15:30 fahren wir auf den Hof und treffen auf eine Gruppe britischer Fotografen. Wir werden von Michael im Auto mitgenommen, zusammen mit einem britischen Ehepaar. Da Michaels Gruppe ausgefallen ist, muss er heute nicht mehr lange Arbeiten und er bringt uns nur zum Hide in den Sumpf. Er erzählt noch, dass er nachher noch Erdbeeren pflücken muss für den Geburtstagskuchen für Katja. Wir wussten ihr Geburtsdatum natürlich nicht und beschweren uns bei ihm, weil er nichts vorher erwähnt hat. Im Swamp bekommen wir wieder die rechte Hütte, während Michael das Futter verteilt. Er verabschiedet sich und fährt mit Markku zurück. Eine halbe Stunde später taucht der alte Bodari auf und macht sich über das Futter her. Er frisst eine Schneise durch das ausgelegte Futter und packt sich nur zur Abkühlung einmal kurz in eine Pfütze, um anschließend auf der anderen Seite fortzufahren. Danach kommen immer wieder vereinzelt Bären auch eine Mutter mit zwei unterschiedlich gefärbten Jungen, von denen das eine einen blutigen Kratzer hat. Später kommt noch eine neue Mutter mit vier Lütten vorbei. Es handelt sich hierbei aber nicht um die Mutter von neulich, denn die hat mindestens ein Junges verloren. Gegen 24:00 packen wir die Fotosachen zusammen und rollen uns auf die Matratze, um zumindest etwas Schlaf zu finden.

20. Tag Mo. 12. Juli
Juntusranta / Martinselkonen Wilds Center
Um 7:00 kommt uns Timppi mit dem Trupp aus dem Forest abholen und wir erfahren, dass Spanien mit 1:0 gegen Holland gewonnen hat und somit neuer Weltmeister ist. Es geht im Gänsemarsch zurück zum Parkplatz wo wir mit Markku zurückfahren.
Auf dem Weg nach Juntusranta pflücken wir am Wegesrand einen kleinen Blumenstrauß für das Geburtstagskind Katja und kaufen sogar um 8:45 (der Shop öffnet erst um 9 Uhr) belgische Pralinen.

Michael, Niklas und Charmos sind schon wach und spielen. Wir gehen erst einmal duschen, da Katja noch schläft. Als wir fertig sind, gratulieren wir Katja und frühstücken zusammen, und genießen anschließend Michaels leckeren Erdbeerkuchen ohne Erdbeeren, da er keine mehr bekommen hat. Anschließend legen wir uns von 11:00 bis 13:00 ins Bett und versuchen den versäumten Schlaf aufzuholen. Michael ist in der Zwischenzeit angeln gewesen, allerdings ohne großen Erfolg. Wir packen unsere Sachen für die nächste und letzte Bärennacht, während Michael lecker Nudeln mit Hacktomatensoße und Salat gemacht hat. Zum Nachtisch gibt es noch einmal lecker Torte. Mittlerweile fängt es draußen heftig an zu regen und ein Gewitter kommt herbei, da es wieder unerträglich schwül geworden ist. Um 15:00 verabschieden wir uns von allen und machen uns auf den Weg nach Martinselkonen.

Es ist mal wieder sehr voll und laut, denn die Schweizer Fototruppe ist wieder angekommen mit der zweiten Tour. Wir haben auch noch das Glück, dass der Schweizer Tourguide und 2 Schweizerinnen mit uns zum Pond fahren. Jari bringt uns mit dem Land Rover hin. Allerdings muss ich hinten ins Gepäckabteil, da der Schweizer Fettsack vorne sitzen muss, um dann auch noch schlecht über Land Rover zu reden. Wenigstens die eine Schweizerin hat Mitleid mit mir und fragt, ob alles in Ordnung sei. Ich versichere ihr, dass ich früher im Zirkus als Schlangenmensch aufgetreten bin und dass dies für mich gar kein Problem wäre. Während der Fahrt erklärt der Schweizer Schlaumi-Schlumpf, dass die Ranger und wir uns irren, denn die Mutter mit den vieren (die zuerst gesehen wurde) hat noch weiterhin vier Junge. Diese würden halt mal einen Tag auf einem Baum verbringen wenn die Mutter weiterzieht. Und deswegen hätten wir das vierte Junge angeblich nicht gesehen. Na klar doch! Während Jari das Futter verteilt, beziehen wir die linke Hütte, Schlaumi-Schlump die mittlere und die beiden Frauen die Rechte.
Es hat zwar mittlerweile aufgehört zu regnen, aber es ist noch ziemlich bedeckt.

Um 17:30 kommt eine Bärin mit 2 Jungen zum See! Allerdings ist sie recht scheu und traut sich nicht heran. Als dann der Schlaumi-Schlumpf seine Weisheiten lauthals der Nachbarhütte durch die Öffnungen kundtun muss, zieht sich die Bärin in den Wald zurück. Dort bleibt sie aber liegen und beobachtet den See. Leider kommt das Gewitter zurück und als die ersten Blitze und Donner kommen, läuft sie ganz weg. Nach dem Gewitter kommt ein einzelner junger Bär, der aber nicht lange bleibt. Anschließend erscheint die Mutter mit den zwei Jungen wieder am Waldrand, aber auch diesmal kommt sie nicht sehr nahe. Langsam kommt die Sonne raus und wir bekommen schönstes Licht, aber leider keine Bären zu Gesicht, denn diese sind alle verschwunden. Erst nach drei Stunden, als die Sonne schon weg ist und Nebel aufgezogen ist, tauchen wieder verschiedene Bären auf, unter anderem auch eine weitere Mutter mit zwei Kleinen. Um kurz vor 24:00 sind dann vier große Bären auf einmal vor der Hütte. Wir entscheiden uns aufgrund der Lichtsituation für die Pritsche und holen zum ersten Mal das Brett heraus, mit dem man die Liegefläche erweitern kann (hat uns Michael erst heute gesagt!). Etwas enttäuscht über die heutigen Fotoergebnisse (kein Bär, der sich im stehen am Baum scheuert) schlafen wir in der immer noch sehr heißen Hütte ein.

21. Tag Di. 13. Juli
Martinselkonen Wild Center - Savonlinna
Als unser kleiner Wecker um 6:20 klingelt und wir unsere Sachen einpacken, ist der Schlaumi-Schlumpf schon aufgestanden und zum pinkeln in den Wald hinter uns gegangen. Klar - ich pinkele auch nicht gerne in komisch gebückter Haltung in Tupperboxen, aber die Hütte verlassen, ist nicht erlaubt! Auch wenn angeblich keine Bären mehr da sind(!?!), gibt es Regeln die zu befolgen sind (deutsche Tugend: Disziplin!). Er holt danach die beiden Schweizerinnen aus der Hütte und versichert ihnen, dass alles sicher ist und er alles unter Kontrolle hat. Als Markku um kurz vor 7:00 erscheint, sieht er ein wenig verärgert aus, dass die Schweizer schon vor den Hütten auf ihn warten. Leider kann er sich ja aufgrund der Sprache nicht verständigen. Gerne würde ich auch meinen Senf dazu geben, auch wenn es aus unserer Hütte mit Sicherheit nicht immer leise ist. Wer jemals 14 Stunden mit meiner Körperstatur in so einer kleinen Hütte gesessen hat, der weis wovon ich rede.
Wir duschen zuerst im Keller des Haupthauses, um dann zum Frühstück zu gehen. Nach dem Bezahlen in der Küche fahren wir gegen 9:00 auf der 843 nach Süden. Auf dem weiteren Weg auf der 912 nach Kuhmo kommen wir am Winterkriegsdenkmal vorbei, wo wir einen kurzen Stopp machen. Um 11:00 kommen wir im Petola Predator Center in Kuhmo an, wo es aber die erhofften Holzgeschnitzten Bären nicht mehr gibt. Wir bekommen aber die Adresse und Telefonnummer von dem Erschaffer. Wir finden das Haus recht schnell, denn im Garten stehen einige seiner Werke. Leider ist niemand zu Hause und ans Telefon geht auch niemand. Also bekommt Silke dieses Jahr wohl keinen Bären, denn wir müssen weiter. An der Tankstelle gibt es noch einmal Diesel für den Landy und Kaffee für den Svenni, allerdings unterscheiden sich die Flüssigkeiten kaum.
Da unser heutiges Ziel Savonlinna heißt, fahren wir das erste Stück große Straßen, später aber auch kleine die plötzlich zur Schotterpiste werden. In Savonlinna kommen wir um 18:00 und 527,5 gefahrenen KM etwas geschafft an und gehen noch einmal kurz zum ABC einkaufen. Der Campingplatz ist wesentlich voller als im letzten Jahr und deshalb auch merklich schmutziger. Wir finden einen Platz und bauen unser großes Zelt auf, da wir eigentlich zwei Tage bleiben wollen. Es gibt trotz der 30 °C Außentemperatur Suppe mit Nudeln (wie in Afrika). Anschließend machen wir den Abwasch und gehen Duschen, so dass wir erst gegen 24:00 im warmen Zelt liegen.

22. Tag Mi. 14. Juli
Savonlinna - Porvoo
Irgendwann gegen Morgen kommt die Sonne heraus und brennt auf unser Zelt, so dass wir um 7:30 klitschnass herauskrabbeln. Das Frühstück in der Sonne ist aber noch einigermaßen erträglich. Wir entscheiden uns dafür, schon heute zur Küste bei Helsinki zu fahren, in der Hoffnung, dass es dort am Meer kühler ist. Beim Zeltabbau und Isomatten aufrollen, kommen wir wieder arg ins schwitzen, denn wir haben schon wieder knapp 30 °C, als wir gegen 11:00 aufbrechen. Wir fahren auf der 14 über Mikkeli und weiter auf der 15 Richtung Kouvola, wo wir wieder kurz zum Einkaufen gehen und ein paar Pommes essen. Das Thermometer zeigt 33 °C im Schatten und der Landy heizt vom Getriebetunnel ordentlich ein!, so dass die Innentemperatur über 40 °C ist. Wir fahren auf der 6 und weiter auf der E18 über Porvoo Richtung Helsinki und lassen uns vom Navi zu einem Campingplatz in Vouusaari bringen. Von hier ist es nicht mehr weit zum Fährhafen und in die Stadt Helsinki. Leider ist der Campingplatz voll und bei genauem hinschauen, sind wir auch ganz froh darüber, denn die Wohnwagen stehen wie die Ölsardinen nebeneinander, um von dort auf die Hochhäuser des Vorortes zu blicken.
Wir fahren die E18 ein Stückchen zurück nach Porvoo. Hier finden wir nach den heute gefahrenen 400km einen kleineren Campingplatz mit Wiese, wo wir unser Zelt gut aufbauen können. Während wir das Zelt aufbauen, kommt ein zweiter Landyfahrer an, der freundlich grüßt. Bei uns gibt es in der Zwischenzeit Abendbrot (Bratwürstchen, Bohnen und dazu Tomaten-Zwiebel Gemüse. Der Landyfahrer kommt vorbei und wir quatschen ein wenig. Es ist Ralf aus Mannheim, der hier auch für drei Wochen unterwegs ist und morgen zurückfährt. Es stellt sich heraus, dass der Landy, dem wir im Oulanka NP auf der Schotterpiste im Regen begegnet sind, Ralfs war. Was für ein Zufall!
Um 23:00, als wir mit dem Duschen fertig sind, kommen zuerst Russen mit einem Hilti-Firmenwagen und etwas später noch zwei Finnen. Diese sind allerdings mit dem Zeltaufbau fertig als wir um 23:30 ins Zelt krabbeln, wobei bei den Russen immer noch diskutiert wird, wer welchen Hering in den Boden drückt und warum!

23. Tag Do. 15. Juli
Porvoo – Helsinki: Abfahrt nach Travemünde
Irgendwann gegen Morgen wird es laut auf dem Campingplatz. Ich weiß nicht ob es die Russen sind, die immer noch diskutieren, wie das Zelt stehen soll oder ob es andere Leute sind die Krach machen, aber auf jeden Fall brüllt jemand so etwas ähnliches wie „Ruhe“ auf Finnisch. Um kurz nach 7:00 wache ich wieder auf, da ich Regentropfen auf dem Zelt höre. Ich springe aus dem Zelt, um die Stühle vor dem Regen zu schützen. Ein paar Minuten später ist der Spuck vorbei und es ziehen sehr dunkle Wolken mit ein paar Aufheiterungen an uns vorbei. Während wir frühstücken, fängt die Sonne wieder an zu brennen. Wir überlegen, was wir am heutigen Tag tun wollen und kommen zu dem Entschluss, dass wir uns das schöne Städtchen Porvoo anschauen werden, nicht aber bei der Hitze durch Helsinki laufen wollen. Auch für Wanderungen ist es mit seinen 30 °C um 9:30 viel zu heiß, so dass wir uns entscheiden die Fährgesellschaft anzurufen um zu fragen, ob wir schon einen Tag früher auf die Fähre können. Es klappt und wir beginnen wieder das große Zelt in seine Einzelteile zu zerlegen. Das tolle ist, dass wir immer schneller werden, je öfter wir das Ganze machen. Trotzdem rinnen uns die Schweißperlen nur so von der Stirn und als uns noch ein Schweizer Landy-Interessierter nach dem Zustand und der Qualität des Landys fragt, kommen wir wieder in „Verzug“. Somit überholen uns die Russen, die schon um kurz vor 8:00 mit dem Zeltabbau begonnen haben doch noch und wir kommen erst um 11:00 los, nachdem wir Ralf von unserem späterem Treffen an der Fähre berichtet haben.
In der Innenstadt von Porvoo parken wir das Auto in einer Seitenstraße und gehen kurz durch die Stadt. Silke kauft in einem der unzähligen Nippesläden einen kleinen Holzbären als Entschädigung. Lange halten wir es aber nicht aus, durch die heißen Gassen zu gehen. Am Hafen kaufen wir uns noch ein Eis und gehen auf dem Rückweg noch über den Marktplatz. Nach Helsinki ist es nicht mehr weit und wir kommen dort schon um 13:15 bei einem kleinen ABC Markt an. Hier ist der Sprit nur wieder erheblich teurer, so dass wir ohne zu tanken auf die Fähre fahren. Um 13:30 öffnet der Check-In und wir bezahlen die Umbuchungsgebühr und bekommen die Reihe 1 zugeteilt in der diesmal auch nur große Fahrzeuge stehen. Zum Glück ist die Sonne hinter ein paar Wolken verschwunden, so dass es trotz der 30 °C nicht allzu doll brennt. Ralf kommt vorbei und wir quatschen noch ein wenig. Um 15:00 kommt seine Reihe allerdings schon auf das Schiff. Mittlerweile kommt die Sonne wieder heraus und es wird wieder unerträglich heiß. Neben uns halten zwei Reisebusse mit österreichischen und deutschen Rentnern. Bis zu ihrer Abfahrt eine ¾ Stunde später, müssen die Fahrer allerdings die Motoren wegen der Klimaanlage laufen lassen, damit die Touris nicht wie die Fliegen wegen der Hitze umkippen. Erst gegen 17:00 als dunkle Gewitterwolken die ersten Regentropfen bringen und nach mehrmaligem Nachfragen der Finnlinesbeauftragten, ob wir auch nach Travemünde wollen (wohin wohl sonst ?) geht es auch für uns auf die Fähre. Das Schiff legt pünktlich um 17:30 im Gewitter ab.
Wir gönnen uns zuerst eine Dusche, bevor wir uns zwei Karten für das Abendbuffet kaufen und zum Essen gehen. Dort treffen wir Ralf und die Dresdner wieder, die wir in Oulanka kennen gelernt hatten. Wir haben den Eindruck, dass auf der Hinfahrt das Essen leckerer war. Anschließend setzen wir uns noch nach draußen auf das Oberdeck, wo mittlerweile ein paar wenige Sonnenstühle stehen.
Gegen 22:30 geht es in die Kabine, wo wir wenig später müde ins Bett krabbeln.

24. Tag Fr. 16. Juli
Schiffsfahrt: Ankunft Travemünde – zu Hause
Um 7:30 klingelt unser Wecker. Wir gehen zur Bar und kaufen dort zwei Tickets für das Frühstück. Das Buffet ist ausreichend, aber es gibt kein Rührei und Speck, dafür aber Fisch. Wir treffen Ralf, der auch zum Frühstück gekommen ist. Wir gehen zurück in die Kabine und lesen ein wenig. Wir gehen auch mal an Deck, wo ein wenig Wind weht es aber trotzdem angenehm warm ist. Gegen Mittag wird das Deck ein wenig leerer, aber hier treffen wir auf eine weitere deutsche Tugend: Mit dem Handtuch wird der Liegestuhl freigehalten! Toll, wie man immer wieder deutsche Pappnasen erkennt.
Bei uns gibt es nur Schmalkost und ein Eis auf dem „Sonnendeck“. Mir ist es aber zu warm und ich verziehe mich lieber nach unten, während Silke sich einen Sonnenbrand auf den Füßen holt. Den Rest des Seetages bekommen wir dann auch noch mit weiter entspannen auf dem Sonnendeck, Klönen mit Ralf und Sachen packen rum. Wir essen noch ein Baguette aus dem Café Verde und verzichten aufs Abendessen im Restaurant. Als wir um ca. 20:30 pünktlich in Travemünde anlegen, macht sich Silke für die Heimfahrt noch schnell eine Stulle und es geht auf der Autobahn die ca. 100 km heimwärts. Am Maschener Kreuz trennt sich dann Ralfs Landy von unserem und wir werden um ca. 22:00 nach 4342,9 gefahrenen km und mit KM-Stand 21.427,7 von meinen Eltern zu Hause begrüßt.

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